Offener Brief an das Studio Kino Kiel bzgl. geplanter Jubiläumsvorführung der Harry Potter Filme

Liebes Studio Kino,

dies hier ist eine solidarische Kritik an eurem Plan, anlässlich des Jubiläums alle Harry Potter Filme erneut vorzuführen. Wie eurer eigenen Ankündigung zu entnehmen ist, seid ihr euch ja bereits dessen bewusst, dass diese Filme – insbesondere, aber auch nicht nur aufgrund der politischen Ansichen der Autorin J.K. Rowling – nicht unproblematisch sind. Dass ihr das nicht zu verheimlichen versucht und euch von ihrer Haltung distanziert, finden wir schon mal gut und richtig. Wir machen uns allerdings Sorgen, dass eine Einordnung womöglich nicht ausreichend sein könnte – sowohl in ihrer konkreten Ausführung, als auch grundsätzlich. Denn über die Verleihrechte verdient Rowling an genau dieser weiter aufrecht erhaltenen Bekanntheit der Filme immer wieder Geld, egal was man dazu dann vor Ort sagt. Sie macht keinen Hehl daraus, ihr Geld gerne direkt in trans*feindliche Kampagnen und rechte Politikbeeinflussung zu investieren. Natürlich sind solche Einnahmen nur ein kleiner Teil ihres bereits riesigen Vermögens, dennoch tragen in Summe gerade zu solchen Jubiläumsanlässen dann doch einige Kinos etwas dazu bei. Auch sorgt die Vorführung eben wieder dafür, dass das Franchise nicht an Bekanntheit verliert, was wiederum weitere Einnahmen durch Parks, Neuauflagen der Bücher oder neuen Filmprojekten ermöglicht. 

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Veröffentlicht unter Queer

Bericht zur Gendkundgebung auf dem Europaplatz

Von Trauer, Wut und Widerstand hörten wir bei der gestrigen spontanen Kundgebung in Solidarität mit den Betroffenen des queerfeindlichen Anschlages auf den CSD in Berlin vergangenen Samstag. Bis zu 500 Queers und solidarische Verbündete waren auf dem Europaplatz in Kiel zusammengekommen, um gemeinsam der getöteten Person zu gedenken und in Gedanken bei allen Verletzten und Angehörigen zu sein.

In den Redebeiträgen sprachen Menschen über ihre Trauer, über ihr Mitgefühl gegenüber den Betroffenen und über ihre Angst, die dieser Angriff auslöst. Auch Wut war ein wichtiger Bestandteil der Reden: Wut darüber, dass in Zeiten, in denen Hass und Gewalt gegen queere Menschen immer sichtbarer werden, politische Entscheidungsträger*innen, allen voran die CDU, scheinbar alles dafür tun, es queeren Menschen noch schwerer zu machen. Indem sie mit massiven Kürzungen Psychotherapie noch weniger zugänglich machen, indem sie queeren Netzwerken wie Lambda die Förderung entziehen, indem sie öffentlich gegen queere Menschen hetzen, wichtige zumindest teilweise Errungenschaften wie das Selbstbestimmungsgesetz infragestellen und sich am Ende mit ihrer rassistischen, pauschalisierenden Hetze noch als Verteidiger*innen von queeren Menschen darstellen. Während sie selbst mit islamistischen Herrscherregimen wie den Taliban in Afghanistan Abschiebedeals verhandeln und queere Menschen wie die lesbische Angel M. in Staaten wie Uganda abschieben, wo ihnen die Todesstrafe droht. Doch neben all dem war auch Hoffnung und Gemeinschaft spürbar, in den Redebeiträgen und auf der Kundgebung. Die Kraft, die wir uns gegenseitig geben, indem wir füreinander da sind. Wenn wir laut und sichtbar bleiben, trotz alledem.

Zum Schluss gab es noch eine Schweigeminute, nach der gemeinsam mitgebrachte Blumen, Kerzen, Schilder und kleine Flaggen niedergelegt wurden.

Danke an alle Menschen, die da waren, die Blumen, Flaggen, Schilder mitgebracht haben, die den Mut hatten, zu reden und so ein würdiges Gedenken ermöglicht haben. Die füreinander da waren und sind.

Passt aufeinander auf!

Queere Freiheit und Sichtbarkeit verteidigen! Gemeinsam gegen queerfeindliche Gewalt

(Triggerwarnung: Schilderung extremer queerfeindlicher Gewalt im ersten Absatz)

Zeit: Mo., 27.07.26 || 17 Uhr
Ort: Europaplatz

Das Abendprogramm des CSD Berlin musste gestern vorzeitig abgebrochen werden. Mehrere Menschen wurden durch ein Auto schwer verletzt, welches in die feiernde Menge gefahren wurde, ein Mensch überlebte nicht. Angesichts dieser schrecklichen Ereignisse wurde auch der für Sonntagmorgen geplante Frühstücksmarkt abgesagt.

CSDs sind für viele queere Menschen Räume, an denen sie für Sichtbarkeit, Respekt und Würde demonstrieren und die sie sich aktiv zurückerobern. Denn Queerfeindlichkeit führt meist dazu, dass Menschen ihr Lesbisch- oder Schwulsein, ihre trans*Identität, Bisexualität und Queerness verstecken – oder sich selbst aus öffentlichen Räumen zurückziehen. Trans*- und homofeindliche Hetze, die im Parlament, auf der Straße und im Internet in den letzten Monaten zunehmend geschürt wird, verstärkt die Gefühle der Bedrohung bei vielen. Doch bei verbalen Drohungen bleibt es nicht: Immer wieder gab es in den letzten Monaten Berichte über körperliche Angriffe auf queere Menschen.

Wenn gezielt queere Menschen auf dem CSD in Berlin angegriffen werden, dann ist das ein Angriff auf genau das, für was wir streiten: Sichtbarkeit, Freiheit und Unbeschwertheit. Das Gefühl, uns nicht verstecken zu müssen und richtig zu sein, wie wir sind.
Lasst uns gemeinsam einen Raum für Trauer und für Solidarität mit den Verletzten, der getöteten Person und den Angehörigen schaffen, aber auch um sichtbar zu bleiben, um laut zu bleiben und um füreinander da zu sein!

Wir haben ein paar Redebeiträge angefragt. Vermutlich werden wir zwischendurch etwas Musik spielen. Bringt gern Blumen oder ähnliches mit, die wir gemeinsam ablegen können.

Trauer, Wut und Widerstand!

Zu den Auseinandersetzungen rund um Polizeikritik beim CSD Kiel

1.————————————-

Folgender Text dient zur Darstellung unserer Perspektive und Klarstellung einiger Inhalte aus dem Statement vom CSD-Team.

Zunächst einmal sind wir selbst auch Teil der queeren Community, auch wenn dies in einigen Kommentaren auf Social Media immer wieder in Frage gestellt wird. Unsere Gruppe ist in sehr großen Teilen queer. Bei uns sind zwar auch ein paar endo-cis-hetero Personen dabei, diese halten sich bei der Auseinandersetzung um den Polizeistand beim CSD aber bewusst im Hintergrund.

2.————————————-

Uns ist es wichtig, dass sich alle Besucher*innen auf dem CSD wohlfühlen können. Unter Anderem deswegen protestieren wir gegen die Polizeipräsenz beim CSD. Unser Protest richtet sich gegen die Polizei, nicht gegen die CSD-Orga. In unserer Wahrnehmung ging von uns keine körperliche Gewalt gegenüber der CSD-Orga oder CSD-Teilnehmenden aus. Aus unserer Perspektive handelte die CSD-Orga insbesondere auch im letzten Jahr nicht deeskalativ. Menschen von der Orga rissen beispielsweise der vorlesenden Person den Redebeitrag aus der Hand und rüttelten an ihr. Wir fragen uns, wie es da zu so unterschiedlichen Wahrnehmungen kommen konnte, und würden darüber mit der CSD-Orga sprechen wollen.

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