Offener Brief an das Studio Kino Kiel bzgl. geplanter Jubiläumsvorführung der Harry Potter Filme

Liebes Studio Kino,

dies hier ist eine solidarische Kritik an eurem Plan, anlässlich des Jubiläums alle Harry Potter Filme erneut vorzuführen. Wie eurer eigenen Ankündigung zu entnehmen ist, seid ihr euch ja bereits dessen bewusst, dass diese Filme – insbesondere, aber auch nicht nur aufgrund der politischen Ansichen der Autorin J.K. Rowling – nicht unproblematisch sind. Dass ihr das nicht zu verheimlichen versucht und euch von ihrer Haltung distanziert, finden wir schon mal gut und richtig. Wir machen uns allerdings Sorgen, dass eine Einordnung womöglich nicht ausreichend sein könnte – sowohl in ihrer konkreten Ausführung, als auch grundsätzlich. Denn über die Verleihrechte verdient Rowling an genau dieser weiter aufrecht erhaltenen Bekanntheit der Filme immer wieder Geld, egal was man dazu dann vor Ort sagt. Sie macht keinen Hehl daraus, ihr Geld gerne direkt in trans*feindliche Kampagnen und rechte Politikbeeinflussung zu investieren. Natürlich sind solche Einnahmen nur ein kleiner Teil ihres bereits riesigen Vermögens, dennoch tragen in Summe gerade zu solchen Jubiläumsanlässen dann doch einige Kinos etwas dazu bei. Auch sorgt die Vorführung eben wieder dafür, dass das Franchise nicht an Bekanntheit verliert, was wiederum weitere Einnahmen durch Parks, Neuauflagen der Bücher oder neuen Filmprojekten ermöglicht. 

Da wir nicht wissen, was genau zur Einordnung oder Distanzierung vor Ort wohl gesagt werden soll, haben wir Sorge, dass dies nicht umfangreich genug sein könnte. Denn mit Augenzwinkern kurz fallen zu lassen, dass man Rowlings Ansichten ja nicht unterstützt, wäre hier wirklich nicht genug. Es muss den Leuten, die immer noch aktiv unterstützende Fans sind, klar werden, wo ihr Geld landet und was Rowling damit macht. Von ihrer Politik abgesehen gäbe es auch noch weitere Punkte, die es rein am Inhalt der Geschichten oder Verfilmungen zu kritisieren und reflektieren gilt, zum Beispiel die als antisemitisches Klischee bewertete Darstellung der bankbetreibenden Kobolde, die mangelhafte und oft rassistische Repräsentation von nicht-weißen Charakteren oder auch die stereotype Darstellung der ausländischen Schulen und deren Mitglieder. Rowling befeuert in ihren Romanen außerdem Ableismus und Ausgrenzung von chronisch Kranken, sowie gewichtsbezogene Stigmatisierung.

Wir können verstehen, dass das Franchise und die Filme einen großen Nostalgiefaktor haben oder für viele Menschen schöne Erinnerungen bedeuten. Auch sind natürlich längst nicht alle Aspekte daran abzulehnen, und es ist immerhin ein Trost, dass einige der Darsteller*innen sich von Rowling distanziert haben (wenn auch nicht alle). Leider ist es hier aber nicht wirklich möglich, das Werk von der Autorin zu trennen, da sie wie beschrieben eben dennoch davon profitiert.

Wir möchten euch nicht canceln. Wir möchten aber daran appellieren, die geplante Vorführung abzusagen. 

Wenn ihr das nicht könnt oder wollt, erwarten wir eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Problematik, damit alle Gäst*innen und dienenigen, die auch nur davon mitbekommen, sich darüber im Klaren sind, was und wen sie unterstützen und womit sie es zu tun haben.

Setzt euch ein für die, die unter Rowlings Machenschaften leiden. Zieht in Betracht, auch mal eine Vorführungsreihe mit Filmen von und mit trans* Geschichten und Macher*innen zu organisieren. 

Auch hier gibt es Zeiträume wie den Pride Month oder sich jährende Gedenk- und Sichtbarkeitstage, wie bspw. den Trans* Day of Visibility, die man für Aktionen nutzen kann. 

Diese Filme und Macher*innen existieren, sie sind um einiges wichtiger, als das Jubiläum einer problematischen   Filmreihe bzw. deren Autorin und haben sowohl die Aufmerksamkeit als auch die Einnahmen deutlich mehr verdient als Rowling. 

Queerfeministische Grüße

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