Aktionsbericht: Blockade bei Thyssen Krupp Marine Systems in Kiel

Am Montag, den 03.08.2026, haben wir, die Aktionsgruppe Turbo-Klima-Marine-Sabotage ab 04:30 Uhr morgens zwei Zufahrten des TKMS-Produktionsgeländes in Kiel blockiert. Insgesamt etwa 20 Personen waren an der Aktion beteiligt und teilten sich auf den Haupteingang und eine Nebenzufahrt auf. Am Haupteingang haben wir zudem ein Betonfass als Ankettvorrichtung und einen Tripod zu Hilfe genommen; an der Nebenzufahrt hatten wir eine mit Zement und Blumenerde gefüllte Badewanne, an der sich eine Person festgeklebt hat, und einen Tripod als Unterstützung dabei.

Die Aktion richtete sich gegen den gesamten Rüstungskonzern TKMS, der zahlreiche autoritäre Regierungen mit Waffen wie U-Booten beliefert, beispielsweise Israel, Indien, die Türkei oder Singapur. Hier findet ihr unsere Pressemitteilung und hier Hintergrundinformationen zu einigen Spezialthemen rund um TKMS.

Beim Aufbau an der Hauptzufahrt kam direkt ein Mensch aus der Pforte heraus und fragte: „Was machen Sie da?“ „Eine Kunstaktion.“ „Mitten auf der Straße?“. Noch während der Nachfragen wurde das Fass umgekippt, an die richtige Stelle gerollt, Arme reingesteckt, der Aufbau des Tripods schnell beendet und die Fahrspuren ins Werk waren dicht. Das Transparent war noch kaum am Tripod befestigt, da kamen schon die ersten PKW um die Ecke gebogen und wollten rein und standen erst sehr chaotisch davor, bevor die Polizei absperrte. Sehr schnell staute sich der Verkehr links von uns ziemlich weit die Werftstraße hinein.

An der Nebenzufahrt ging es zunächst ganz entspannt los. Die Nebenzufahrt besteht eigentlich aus zwei Zufahrten, die sich später zu einer vereinen. Wir hatten uns entschieden, nur eine davon zu bespielen, an der anderen gab es zudem eine Schranke, die geschlossen auch eine Blockade darstellte. Einige Minuten nachdem Tripod und Badewanne aufgebaut waren und die Blockade stand, kam das erste Polizeiauto an. Die Polizei suchte eine Versammlungsleitung, wir hatten keine dabei, damit gab sie sich dann auch schnell zufrieden und teilte uns mit, dass wir trotzdem eine Versammlung seien und als solche behandelt würden. Sie würden dann jetzt beschränkende Maßnahmen prüfen. Danach kommunizierte sie stundenlang nicht mehr mit uns.

Im Laufe der Stunden, die die Blockade dauerte, kamen viele Mitarbeiter*innen von TKMS im Auto, auf dem Fahrrad, E-Scootern oder zu Fuß vorbei und wollten aufs Gelände. Die Polizei schickte sie wahlweise zunächst zum Haupteingang (vor allem die ohne KFZ) und später zum „Arsenal“, einem Marinegelände, dessen Verbindung zum TKMS-Gelände genau für diesen Zweck geöffnet wurde. Die Mitarbeitenden und manche Zuliefernde von TKMS wurden also durch einen militärischen Sicherheitsbereich geschleust, damit sie zu ihrem „zivilen“ Arbeitsplatz kamen.

Manche LKW mit riesigen Bauteilen, vermutlich für die U-Boote, konnten jedoch diesen Weg nicht nehmen und mussten bis zur Räumung mehrere Stunden vor dem Haupteingang warten. Am Haupttor wurden die meisten Arbeitenden eingelassen, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Motorrad, viele vermutlich mit einiger Verspätung wegen der Umwege. Ganz am Anfang fragte noch einer aus dem Auto heraus: „Darf ich die Spinner überfahren?“ Eine Polizistin antwortete „Leider nein“. Auch sonst wollte keine einzige der bei TKMS arbeitenden Personen ein erklärendes Flugblatt annehmen, was ihnen freundlich angeboten wurde, eine Polizistin aber direkt als „Belästigung“ einstufte. Einer spuckte sogar einer Person, die gerade ein Flugblatt anbat, vor die Füße. Ein anderer kommentierte, dass wenn die AfD an der Regierung wäre, hier schon längst alle geräumt wären.

Bei der Nebenzufahrt nahmen einige Menschen Flyer entgegen, die Kommentare der meisten Passant*innen hatten aber eher die Stoßrichtung „geht arbeiten“ bis hin zu „Spastis“ und „Hurensohn“. Teilweise gab es jedoch auch Sympathiebekundungen aus vorbeifahrenden Autos und von anderen Menschen. Einige Mitarbeiter*innen hielten sich auch für besonders schlau und fuhren mit ihrem Fahrrad oder E-Scooter durch die Blockade (obwohl wir ihnen sagten, dass das nicht gehe). Die Polizei rief ihnen dann auch hinterher, dass sie da nicht durch kämen. Eine Person, die es trotzdem nicht lassen konnte, kam kurze Zeit später den Abhang wieder hochgeradelt. Anscheinend hatte TKMS also die Nebenzufahrt auch noch von innen versperrt – vermutlich um ein Eindringen durch uns zu verhindern.

Auch am Haupttor fragte die Polizei nach einer Versammlungsleitung, fand keine und verwies die Versammlung mit einer Frist bis 6 Uhr auf den Gehweg neben dem Gelände, der ja auch zur Kommunikation besser geeignet sei. Um viertel vor sieben dann die nächste Frage der mittlerweile angekommenen Einsatzleiterin: „Können Sie nicht wenigstens eine Spur frei machen?“ Keine Reaktion, stattdessen schrieben wir mit Kreide auf dem Boden zur Unterstützung verschiedener Freiheitsbewegungen in Palästina, Kashmir oder Rojava und machten ein Foto in Solidarität mit den inhaftierten Ulm 5, die im September 2025 bei Elbit, einem großen israelischen Rüstungskonzern, eingedrungen und diesen sabotiert hatten und seitdem in Untersuchungshaft sitzen. Auch TKMS macht mit Elbit Geschäfte.

Erst gute 5 Stunden nach Beginn der Aktion trafen Räumeinheiten der Polizei ein, die jedoch nach dem langen Umweg übers Marine-Arsenal erst mal wieder viel miteinander diskutieren mussten. Währenddessen kam um kurz vor 10 Uhr eine Soli-Demonstration vom Vineta-Platz mit ein paar solidarischen Menschen an, was die Cops in große Aufregung versetzte. Sie stürmten sofort auf die ankommenden Menschen zu – was immerhin einer Person ermöglichte, die Blockade zu verlassen, um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen – wie wir doch von den vielen TKMS-Arbeitenden so lange aufgefordert wurden. Wir freuten uns über die solidarischen Sprüche wie „Deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in aller Welt“ und riefen mit. Ein Redebeitrag folgte.

Am Nebeneingang kamen zwischenzeitlich ebenfalls solidarische Menschen vorbei, brachten Kaffee und kalte Getränke nach Bestellung oder druckten unsere Flyer nach und versorgten uns mit Informationen vom Haupteingang. Ansonsten war die Blockade phasenweise eher unspektakulär, wir haben wechselnd geschlafen und versucht, Passant*innen in Gespräche zu verwickeln und wurden dabei von 2 bis 6, meistens 4 Bullen bewacht, die sich aber kaum für uns interessierten.

Um 10.30 Uhr begann am Haupttor dann die Räumung, zunächst wurden die Sitzenden und Unterstützenden weggeschleift. Diejenigen, die Personalien angaben, wurden nach einigem Hin- und Her vor Ort mit einem Platzverweis entlassen, die anderen in die Gesa (Gefangenensammelstelle) verbracht. Die Personen angekettet am Fass und oben auf dem Tripod blieben zunächst. Die Fass-Räumung begann damit, dass die Polizei einen Pavillon für Schatten dort aufbaute und verlief auch sonst verhältnismäßig anständig. Während das Flexen und Hämmern am Fass andauerte, beschloss die Person auf dem Tripod nach 7 Stunden ihre Position, seit einiger Zeit auch in der prallen Sonne, selbstbestimmt zu verlassen, wurde dann jedoch auch in die Gesa gefahren zur ED-Be/Misshandlung und Personalienermittlung. Nach über 9 Stunden waren um 13:40 auch die beiden Personen am Betonfass gewaltsam von der Polizei gelöst worden.

Nachdem wir aus mehreren Quellen erfahren hatten, dass die Blockade am Haupteingang jetzt vollständig aufgelöst sei, begannen wir am Nebeneingang, uns zu sammeln, um unser weiteres Vorgehen zu besprechen. Noch bevor wir so richtig damit angefangen hatten, verkündeten die Cops uns um 13:55 Uhr, wir könnten weiter demonstrieren, es gäbe aber jetzt die beschränkende Verfügung, dass wir uns auf die andere Straßenseite der Kreuzung begeben sollten, und die solle durch uns bis 14:00 Uhr umgesetzt werden, sonst gebe es Zwangsmaßnahmen. In 5 Minuten zu besprechen, was wir machen und das auch noch umsetzen, wenn eine Person auf einem Tripod und eine an eine mit Zement gefüllte Badewanne geklebte Person beteiligt sind, ist natürlich nicht möglich. Wir ließen uns davon aber nicht beirren, besprachen uns und kamen zu dem Schluss, dass wir die Verfügung jetzt zum Anlass nehmen, die Blockade aufzulösen, da sie ohne die am Haupteingang ohnehin obsolet geworden war. Wir fingen also an abzubauen und haben die Versammlung gegen 14:15 Uhr nach fast 10 Stunden verlassen.

Die Gefangenensammelstelle befand sich auf dem Polizeirevier in der Blumenstraße. Da die Eingänge zu TKMS ja auch für Polizeiautos blockiert waren, wurden die Aktivisti über das Werksgelände und das Marinearsenal Richtung Ausgang gefahren. Als die ersten in der Blumenstraße ankamen, herrschte zunächst etwas Chaos. Nach einigem hin und her wurde mit Polizeisperrband und einem Stehtisch auf dem Innenhof der Wache ein Bereich abgesperrt, in den die Aktivist*innen gescheucht wurden. Wie in einem Tiergehege saßen sie dann dort, während um das Band herum zwischen 15 und 20 Polizist*innen sie bewachten. Nach kurzer Zeit wurde ein Polizeiarzt und eine Box geholt, in der sich verschiedene Mittel fanden, mit der sie versuchen wollten die schwarze Farbe und das Glitzer zu lösen, welche sich einige Aktivist*innen ins Gesicht und auf die Hände geschmiert hatten. Mehrere Stunden lang schrubbten dann zeitweise zwei Polizist*innen pro Aktivisti an je einer Hand, wobei insbesondere die Beamt*innen der Kriminaltechnik, welche normalerweise an Tatorten Spuren sichert, sich lautstark über diese scheinbar sehr anstrengende Arbeit beschwerten, für die sie sich deutlich überqualifiziert sahen. Sie diskutierten dabei darüber, ob diese Arbeit jetzt schlimmer oder besser ist als die Fingerabdrücke von Leichen zu nehmen und wurden sich nicht ganz einig. Nach und nach wurden dann die Aktivist*innen, die auch auf mehrfaches erneutes Auffordern ihren Namen zu sagen, ihre Identität verschwiegen, dann einzeln in den ED-Behandlungsraum geführt, wo die Polizist*innen erneut versuchten so gut wie möglich Fingerabdrücke zu nehmen und Fotos zu machen. Nur allzu gerne fixierten hier zwei Beamte einen Aktivisti über ca 2 Stunden auf dem Boden um zu versuchen die Hände, im permanenten Schmerzgriff gehalten, von schwarzer Farbe und Glitzer zu befreien. Auf die Frage, wie viele Polizisten gleichzeitig Schmerzgriffe anwenden müssen um den Fingerabdruck des kleinen Fingers zu nehmen, lautet die Antwort anscheinend vier. Es zeigt sich einmal mehr mit welcher Gewalt die Polizei bereit ist die Kapitalinteressen von Rüstungskonzernen zu verteidigen. Nach dieser, mal mehr, mal weniger schikanösen und gewaltvollen Prozedur konnten die Aktivist*innen dann nach und nach die Wache verlassen und wurden dann vom solidarischen Gesa-Support in Empfang genomen, welcher mit leckerer Suppe, Getränken und guter Musik draußen wartete.

Um 16:15 Uhr war schließlich die letzte Person frei. Es gab dann noch ein paar kleinere Abenteuer am Rande um die Sachen aus der Blockade der Nebeneinfahrt. Dabei stahl die Polizei den kurz versteckt abgelegten Tripod und ließ ihn direkt entsorgen. Wir werden schon neue Blockademittel finden, da braucht ihr keine Angst zu haben! Die Rüstungsindustrie und allgemeine Aufrüstung sind leider weiterhin nicht gestoppt, also gibt es noch genug zu blockieren und sabotieren.

Hier findet ihr die Pressemitteilung zur Aktion.

Und in diesem Zwischenbericht sind zahlreiche Hintergrundinformationen zu den Aktivitäten von TKMS zu finden.

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