Blockade der Werkseingänge bei TKMS – Ablauf und Hintergründe

Ablauf der Blockade-Aktion

Um 4:20 Uhr beginnt die Blockade am Haupteingang in der Werftstraße 112. 4:25 Uhr war die Blockade an der zweiten Werkseinfahrt bereit. Schon um 4:30 Uhr erschienen die ersten Polizist*innen.

Um 5:10 Uhr wurde der Protest zunächst als Versammlung anerkannt. Kurze Zeit später wollen die Polizist*innen die Aktivist*innen davon abhalten den ankommenden Arbeiter*innen Flyer zu geben. Angeblich sei dies Belästigung.

Ab 5:50 Uhr werden laut der Polizei die ankommenden Autos auf das Marineareal am Klausdorfer Weg umgeleitet. Zur gleichen Zeit kommt ein LKW nicht auf das Gelände.

Hintergründe zu TKMS

Wir haben heute morgen die Eingänge zum Werksgelände von TKMS blockiert. Damit wollen wir ein Zeichen gegen imperiale Kriege und Militarisierung setzen.

Denn: Kiel ist Kriegsgebiet
Das zeigt sich nicht nur an den vielen historischen Spuren, die zwei Weltkriege in Kiel hinterlassen haben: Denkmäler für getötete Soldaten und Zivilist*innen, zerstörte Wohnviertel und regelmäßig auftauchende Blindgänger. Das zeigt sich auch an den Kieler Militärstützpunkten, welche nun mit Verweis auf die „veränderte Bedrohungslage“ erweitert und durch einen zusätzlichen Standort in Holtenau ergänzt werden sollen. Das zeigt sich am Ausbau des Munitionsdepots in Möltenort, einem der größten in ganz Deutschland. Das zeigt sich bei Veranstaltungen, wie der Kriegspropaganda-Show „Open Ship“, die jährlich während der Kieler Woche stattfindet. Das zeigt sich ebenso in den internationalen Netzwerktreffen kurz vor der KiWo, bei denen sich, organisiert von Kieler Instituten, Vertreter*innen der Rüstungsindustrie, Marine und Politik traditionell im vertrauten Rahmen kennenlernen und absprechen können. Noch in diesem Jahr soll hier zusätzlich ein „maritimes Innovationszentrum“ der Bundeswehr entstehen. Und das zeigt sich selbstverständlich in den vielen Rüstungsunternehmen, welche in Kiel und Umgebung ihre Waffen produzieren und in alle Welt ausliefern. Insbesondere die Werften nehmen schon jetzt sehr viel Raum am Wasser ein. TKMS will sein Werk in Kiel nun sogar noch vergrößern und schaut auf beiden Seiten der Förde nach geeigneten Flächen. Die Kieler*innen könnten also bald noch mehr Wasserzugänge an die Kriegsmaschinerie verlieren, von der die Stadt wirtschaftlich immer abhängiger wird.

TKMS ist dabei nicht nur jetzt schon eine der größten Werften, es gehört auch zu den Unternehmen, die ausschließlich für militärische Zwecke produzieren. Im letzten Jahr erzielte TKMS einen Auftragsrekord. Die weltweite Aufrüstung beschert der Rüstungswerft bis 2040 gefüllte Auftragsbücher. TKMS beliefert dabei Staaten wie Israel, Indien, Singapur, Kanada und die Türkei, also gerne auch autoritär bis autokratisch regierte Nationen. Für die Türkei hat TKMS nicht nur Waffensysteme hergestellt, sondern trägt massiv zum Aufbau einer umfangreichen türkischen maritimen Rüstungsindustrie bei. Mit dem Flugzeugträger „Anadolu“, der während des NATO-Manövers „Steadfast Dart 2026“ Kiel anlief, sollte deren Leistungsfähigkeit zur Schau gestellt werden. 

Die türkische Marine sichert mit ihren Schiffen u.a. illegale Waffentransporte nach Libyen ab und wird als Druckmittel im östlichen Mittelmeeraum, u.a. gegen Griechenland und Zypern im Streit um Öl- und Gasvorkommen, eingesetzt. Vor wenigen Wochen lief ein Schiff in Latakia in Syrien ein. Gemeinsam mit dem dortigen Regime von Ahmed al-Scharaa führen türkische Streitkräfte Krieg gegen Rojava und insbesondere gegen die dortige Zivilbevölkerung. 

Wir wollen es nicht weiter hinnehmen, dass von unserer Stadt aus Kriege und Genozid befeuert werden. Wir wollen nicht, dass hier in Deutschland wieder Menschen zum Dienst an der Waffe gedrängt werden. Und wir wehren uns dagegen, dass Milliarden für die Aufrüstung ausgegeben werden, während im sozialen Bereich immer mehr Gelder gekürzt oder komplett gestrichen werden. TKMS ist somit das perfekte Ziel und Kiel der richtige Ort für anti-militaristische Aktionen!

TKMS unterstützt Israels Völkermord

Israel gehört seit über 10 Jahren zu den wichtigsten Kunden von TKMS im Ausland. Die größten Einkäufe stellen dabei die Kaufverträge über mittlerweile neun U-Boote dar. Fünf Boote sind bereits ausgeliefert und im Einsatz, das sechste wurde vor wenigen Tagen an die israelischen Streitkräfte übergeben. Die U-Boote sind die teuersten einzelnen Rüstungsgüter im Besitz der israelischen Armee und wurden großzügig vom deutschen Staat bezuschusst. Dass die Beziehungen zwischen TKMS und dem israelischen Verteidiungsministerium sehr eng sind und weit über legale Rüstungskäufe hinaus gehen, zeigt sich in der s.g. „U-Boot-Affäre“ besonders deutlich. Dabei sollen erhebliche Summen Schmiergelder geflossen sein, ausgehend vom Anwalt David Shimron, der gleichzeitig für den Verkaufsagent von Thyssenkrupp in Israel und den israelischen Präsidenten Netanyahu arbeitete. Als der außenpolitische Berater der damaligen Kanzlerin Merkel, Norbert Heusgen, politische Bedingungen in den Kaufvertrag einbringen wollte, drängte Netanyahu kurzerhand auf dessen Entlassung. Die Forderungen: ein Bekenntnis zur Zweistaatenlösung, Stopp des illegalen Siedlungsbau im Westjordanland und die Verbesserung der humanitären Lage in Gaza. Die Affäre verdeutlicht, dass milliardenschwere Rüstungsdeals ideal dafür geeignet sind, auch Politik zu machen. Das Interesse Deutschlands an guten, wirtschaftlichen Beziehungen und der gemeinsamen Entwicklung und Erprobung neuer Waffensysteme, stand letztlich höher, als die Einhaltung von Menschen- und Völkerrecht. Die Boote wurden geliefert – ohne Auflagen.

TKMS baute außerdem vier Sa’ar-6-Korvetten an Israel. Diese Kriegsschiffe wurden schon bei Angriffen auf Gaza und den Jemen eingesetzt. Zusätzlich schützen die Korvetten israelische Ölbohrplattformen im Mittelmeer, sind also Teil des globalen Krieges gegen unseren Planeten.

Vor wenigen Monaten verkündeten TKMS und das israelische Rüstungsunternehmen Elbit Systems ihre Kooperation bei der Entwicklung von „maritimen Verteidigungstechnologien“ zu erweitern. TKMS wird eine Produktionsstätte im norden Israels aufbauen. Das Projekt wird massiv von der israelischen Regierung gefördert, da es sich in einer s.g. „National Priority Area“ befindet. Diese Gebiete werden von der Regierung systematisch im Sinne einer ethno-nationalistischen Grenz- und Sicherheitspolitik umstrukturiert.

Elbit ist eins der größten israelischen Rüstungsunternehmen. Elbit wirbt bei vielen der verkauften Waffen damit, dass diese kampferprobt sind. Diese Erprobung findet unter anderem im belagerten Gaza-Streifen und im Süden Libanons statt. 

Weil fünf Aktivist*innen die Beteiligung von Elbit an den Kriegsverbrechen in Israel nicht länger hin nehmen wollten und im September 2025 auf das Firmengelände in Ulm eindrangen und Computer zerstörten, werden diese nun vom deutschen Staat eingesperrt und als kriminelle Vereinigung verfolgt. Ein gleiches Engagement bei der Verfolgung von Kriegsverbrechern „befreundeter Staaten“ findet sich nicht im Ansatz. Wir wollen die Freilassung der Ulm 5 und ein Ende der Doppelmoral! (https://ulm5.info/)

Mit der Lieferung von Waffen und Rüstungsgütern an Israel und der Kooperation mit Elbit unterstützt TKMS ganz direkt den Völkermord, den Israel in Palästina begeht.

Keine Geschäfte mit Hindu-Faschisten!

Auch die Marine von Indien wird von TKMS mit U-Booten beliefert. Dass die dortige Regierung hindunationalistisch ist, stellt offensichtlich kein Hindernis dar. Die rechte BJP stellt nun, mit Narendra Modi an der Spitze, schon seit 2014 durchgängig die Regierung und arbeitet seit dem daran systematisch demokratische Strukturen abzubauen. Die Medien werden immer stärker unter Kontrolle gebracht, etwa durch die Zensur von kritischen Filmen. 

Erst im April war Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius mit seinem indischen Amtskollegen Rajnath Singh bei TKMS zu Besuch, um einen möglichen Milliarden-Deal zu besprechen. In anschließenden Interviews nannte Pistorius diesen wertschätzend „seine Exzellenz“. Dass Singh offen die territoriale Integrität von Pakistan und die Unabhängigkeit von Kashmir in Frage stellt, scheint kein Problem zu sein. 

Die hindunationalistische Regierung hetzt offen gegen Muslim*innen. Zu den bisher schlimmsten Ausschreitungen zählt das Pogrom von Gujarat im Jahr 2002, bei dem um die 2000 Menschen getötet und 270 Moscheen zerstört wurden. Menschenrechtsorganisationen weisen daraufhin, dass die Täter nur mithilfe von staatlichen Institutionen so geziehlt hätten vorgehen können. Modi, der wegen dieser Vorfälle bereits angeklagt wurde, streitet jede Verantwortung ab und gibt den Opfern selbst die Schuld, diesen Zorn auf sich gezogen zu haben. Daneben kommen regelmäßig s. g. „cow lynchings“ vor, bei denen Hindus, unter dem Vorwand Kühe schützen zu wollen, gewalttätige Ausschreitungen beginnnen. Opfer sind hauptsächlich muslimische Menschen, aber auch Christ*innen und Dalits. Werden Muslim*innen angegriffen, schaut die Polizei zu statt einzugreifen, zerstört jedoch andersrum die Häuser muslimischer Demonstrant*innen. Auch beim Staatsbürgerschaftsrecht werden Muslim*innen systematisch diskriminiert.

Das indische Wirtschaftswachstum basiert auf massiver Zerstörung der Umwelt und Ausbeutung von Arbeiter*innen. Flüße werden durch Industrie-Abwässer verseucht und die Luftverschmutzung gehört zu den schlimmsten weltweit. 

Indien ist eine der größten Militärmächte. Die Armee ist hoch gerüstet, neben U-Booten von TKMS hat sie auch Zugriff auf Atombomben. 

Das deutsche Verteidigungsministerium begründet die intensivere Zusammenarbeit mit Indien unter anderem damit, dass sich das Land „dem Westen annähern“ würde, ohne genauer zu erläutern was damit eigentlich gemeint sein soll. Vielleicht meinen sie ja die offen kommunizierte Islamophobie. Vielleicht meinen sie auch die strukturelle Diskriminierung von queeren, insbesondere von Trans* Menschen. Indien verabschiedete vor wenigen Monaten ein neues Gesetz, welches das Recht auf Selbstbestimmung für Trans* Menschen abschafft. In diesem Punkt ähnelt die Politik tatsächlich auch der „im Westen“. Gleichzeitig unterhält Indien enge wirtschaftliche und militärische Verbindungen zu Russland. So kauft Indien fossile Rohstoffe in Russland und verkauft im Gegenzug s. g. dual-use Technologien. Singh traf sich zuletzt Ende 2024 mit Vladimir Putin und bekräftigte die strategische Zusammenarbeit weiter ausbauen zu wollen. 

Wer für pluralistische Gesellschaften und grundsätzliche Menschenrechte einsteht, kann solch autoritäre Regierungen nicht unterstützen! Auch deshalb blockieren wir heute TKMS.

PM: TKMS in Kiel blockiert!

Seit 4:30 Uhr am heutigen Montagmorgen wird in Kiel die Werft von Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS) durch eine anti-militaristische Aktion blockiert. 17 Aktivist*innen der Gruppe Turbo-Klima-Marine-Sabotage (T-K-M-S) besetzen die Werkszufahrten mit aufgestellten Tripods und weiteren Hindernissen, an die sich Menschen angekettet haben. An die zur Frühschicht ankommende Belegschaft werden Flyer verteilt, die über die Hintergründe der Aktion Informieren. Auf Transparenten bringt die Gruppe ihre Motivation zum Ausdruck. Die Aktion richtet sich gegen die Produktion von Kriegswaffen (durch TKMS), hier in Kiel und anderswo.TKMS produziert U-Boote und andere Militärschiffe und liefert diese weltweit. 

Erst kürzlich bestellte Kanada eine ganze Flotte von 12 U-Booten. Ein Milliardendeal mit der hindunationalistischen Regierung Indiens steht kurz vor dem Abschluss. Diese unterdrückt und hetzt offen gegen religiöse, ethnische und andere Minderheiten im Land und fördert umweltzerstörerische Praktiken. Weitere U-Boote werden nach Israel geliefert, also an eine Regierung, die aktuell einen Genozid an den Palästinenser*innen verübt. Mehrere Regierungsmitglieder sind wegen den systematischen Angriffen auf die Zivilbevölkerung vor dem internationalen Gerichtshof angeklagt. Weitere Rüstungsdeals mit autoritär bis autokratisch regierten Staaten, wie Singapur und der Türkei, konnte TKMS in den letzten Jahren abschließen. Seit Jahren rüstet die türkische Regierung auf und führt u.a. Krieg gegen die demokratische Befreiungsbewegung in Rojava.“Die deutsche Rüstungsindustrie verdient viel Geld damit, dass sie Nationalismus, Völkermord und imperialistische Bestrebungen unterstützt.“ erklärt Olivia Weide ihre Motivation, heute auf der Einfahrt des Waffenexporteurs zu sitzen. Eines der mitgeführten Transparente trägt deshalb die Aufschrift „Deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in aller Welt“.

Auch die deutsche Marine wird durch TKMS aufgerüstet. Die Militarisierung zeigt sich ebenso in der Wiedereinführung der Wehrpflicht, Milliarden für die Bundeswehr und in Kiel auch durch die Übergabe zahlreicher städtischer Flächen (wie dem MFG-5 Gelände) an die Bundeswehr. „Wir wollen keine Militärstützpunkte in Kiel. Nicht nur weil Kiel damit wieder zum bevorzugten Angriffsziel wird, sondern vor allem, weil wir dagen sind, dass Machtinteressen mit Waffengewalt durchgesetzt werden. Wir müssen auch im globalen Maßstab fähig sein, friedliche Lösungen zu finden“ erklärt Ulf Wunderlich. „Die aktuelle Aufrüstung richtet sich auch nach Innen: Wenn gegen Palästina-solidiarsche Demonstrationen oder Schüler*innen die sich gegen die Wehrpflicht wenden, vorgegangen wird, schränkt das unsere Meinugsfreiheit ein. Das Polizeirecht wird jedes Jahr um mehr Überwachungsmöglichkeiten erweitert.“ 

„Deutschland wird immer militaristischer und autoritärer und verliert genau die Freiheiten und Rechte, die angeblich mit der Aufrüstung verteidigt werden sollen“, ergänzt Frieda Dubon. „Es wird behauptet, die NATO sei nicht verteidigungsfähig, obwohl sie fast 1,5 Billionen für Rüstung ausgibt und bei immer häufigeren Großmanövern ihre Einsatzbereitschaft beweisen will. Autoritäre Kriegslogik steht dem Erhalt von Freiheit entgegen. Dies zeigt sich nicht zuletzt bei der Wehrpflicht, also dem Zwang tödliche Befehle auszuführen.“ An dieser Entwicklung sind Rüstungskonzerne wie TKMS ganz direkt beteiligt, indem sie in den letzten Jahren massiv ihren Einfluss auf die europäische Politik ausgebaut haben. So erreichten die Kontakte der Lobby der Rüstungsindustrie mit Vertreter*innen der EU-Kommission im letzten Jahr ein Rekord-Niveau.Die aktuelle politische Stimmung sorgt auch dafür, dass andere Krisen in den Hintergrund geraten – etwa die menschengemachte Klimakrise. Das Sondervermögen für die Bundeswehr müsste eigentlich zur Bekämpfung der Klimakrise und den Erhalt von sozialen Sicherungssystemen eingesetzt werden, statt für emmissionsstarke Kriegsgeräte. Immer mehr Menschen müssen aus ihrem Zuhause fliehen, ob sie durch Kriege, staatliche Unterdrückung oder durch die Klimakrise vertrieben werden, sie treffen auf ein hochgerüstetes Europa, dass sie nur abzuwehren versucht.“Wir müssen weg von einem System, von dem nur einige wenige profitieren, und eines schaffen in dem alle gut leben können. Lasst uns gemeinsam eine Welt aufbauen, die nicht immer weiter in den Untergang rast. Zerstörerische Kriegsproduzenten wie TKMS stehen dem entgegen“ schließt Nico Haase.

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Hier auf unserer Webseite finden Sie in Kürze weitere Hintergrundinformationen zu der Aktion. 

Die Aktionsorte befinden sich an den Eingangstoren von TKMS in der Werftstraße in Kiel Gaarden. Zufahrt Werftstarße/ Elisabethstraße, Koordinaten: 54.316559289819786, 10.151090665785906

Zufahrt Werftstraße/ Franziusallee, Koordinaten: 54.31935973884854, 10.16557995887289

Für Rückfragen und Interviews melden Sie sich gerne in unserem Pressebüro.

Telefon: +49 1590 5405152

Mail: tkkg@riseup.net

Die auf Socialmedia und unserer Webseite veröffentlichten Bilder stehen zur freien Verfügung.

Bericht zur Gendkundgebung auf dem Europaplatz

Von Trauer, Wut und Widerstand hörten wir bei der gestrigen spontanen Kundgebung in Solidarität mit den Betroffenen des queerfeindlichen Anschlages auf den CSD in Berlin vergangenen Samstag. Bis zu 500 Queers und solidarische Verbündete waren auf dem Europaplatz in Kiel zusammengekommen, um gemeinsam der getöteten Person zu gedenken und in Gedanken bei allen Verletzten und Angehörigen zu sein.

In den Redebeiträgen sprachen Menschen über ihre Trauer, über ihr Mitgefühl gegenüber den Betroffenen und über ihre Angst, die dieser Angriff auslöst. Auch Wut war ein wichtiger Bestandteil der Reden: Wut darüber, dass in Zeiten, in denen Hass und Gewalt gegen queere Menschen immer sichtbarer werden, politische Entscheidungsträger*innen, allen voran die CDU, scheinbar alles dafür tun, es queeren Menschen noch schwerer zu machen. Indem sie mit massiven Kürzungen Psychotherapie noch weniger zugänglich machen, indem sie queeren Netzwerken wie Lambda die Förderung entziehen, indem sie öffentlich gegen queere Menschen hetzen, wichtige zumindest teilweise Errungenschaften wie das Selbstbestimmungsgesetz infragestellen und sich am Ende mit ihrer rassistischen, pauschalisierenden Hetze noch als Verteidiger*innen von queeren Menschen darstellen. Während sie selbst mit islamistischen Herrscherregimen wie den Taliban in Afghanistan Abschiebedeals verhandeln und queere Menschen wie die lesbische Angel M. in Staaten wie Uganda abschieben, wo ihnen die Todesstrafe droht. Doch neben all dem war auch Hoffnung und Gemeinschaft spürbar, in den Redebeiträgen und auf der Kundgebung. Die Kraft, die wir uns gegenseitig geben, indem wir füreinander da sind. Wenn wir laut und sichtbar bleiben, trotz alledem.

Zum Schluss gab es noch eine Schweigeminute, nach der gemeinsam mitgebrachte Blumen, Kerzen, Schilder und kleine Flaggen niedergelegt wurden.

Danke an alle Menschen, die da waren, die Blumen, Flaggen, Schilder mitgebracht haben, die den Mut hatten, zu reden und so ein würdiges Gedenken ermöglicht haben. Die füreinander da waren und sind.

Passt aufeinander auf!

Queere Freiheit und Sichtbarkeit verteidigen! Gemeinsam gegen queerfeindliche Gewalt

(Triggerwarnung: Schilderung extremer queerfeindlicher Gewalt im ersten Absatz)

Zeit: Mo., 27.07.26 || 17 Uhr
Ort: Europaplatz

Das Abendprogramm des CSD Berlin musste gestern vorzeitig abgebrochen werden. Mehrere Menschen wurden durch ein Auto schwer verletzt, welches in die feiernde Menge gefahren wurde, ein Mensch überlebte nicht. Angesichts dieser schrecklichen Ereignisse wurde auch der für Sonntagmorgen geplante Frühstücksmarkt abgesagt.

CSDs sind für viele queere Menschen Räume, an denen sie für Sichtbarkeit, Respekt und Würde demonstrieren und die sie sich aktiv zurückerobern. Denn Queerfeindlichkeit führt meist dazu, dass Menschen ihr Lesbisch- oder Schwulsein, ihre trans*Identität, Bisexualität und Queerness verstecken – oder sich selbst aus öffentlichen Räumen zurückziehen. Trans*- und homofeindliche Hetze, die im Parlament, auf der Straße und im Internet in den letzten Monaten zunehmend geschürt wird, verstärkt die Gefühle der Bedrohung bei vielen. Doch bei verbalen Drohungen bleibt es nicht: Immer wieder gab es in den letzten Monaten Berichte über körperliche Angriffe auf queere Menschen.

Wenn gezielt queere Menschen auf dem CSD in Berlin angegriffen werden, dann ist das ein Angriff auf genau das, für was wir streiten: Sichtbarkeit, Freiheit und Unbeschwertheit. Das Gefühl, uns nicht verstecken zu müssen und richtig zu sein, wie wir sind.
Lasst uns gemeinsam einen Raum für Trauer und für Solidarität mit den Verletzten, der getöteten Person und den Angehörigen schaffen, aber auch um sichtbar zu bleiben, um laut zu bleiben und um füreinander da zu sein!

Wir haben ein paar Redebeiträge angefragt. Vermutlich werden wir zwischendurch etwas Musik spielen. Bringt gern Blumen oder ähnliches mit, die wir gemeinsam ablegen können.

Trauer, Wut und Widerstand!

Gegen den Tag der deutschen Jugend in Schwerin!

Kein Fußbreit dem Faschismus – dem Rechtsruck entgegen!
Am 1. August die „Generation Deutschland“ in Schwerin stoppen!

Samstag, 01.08.2026 | Schwerin
Gemeinsame Bahn-Anreise aus Kiel: Treffen 7.20 Uhr HBF (Fahrkartenautomaten)

„Die AfD rechnet bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern (MV) im September mit der Mehrheit der Stimmen. Laut aktuellen Umfragen liegt sie bei 36%. Für viele Menschen in MV bedeutet das gravierende Angriffe auf ihre Selbstbestimmung, ihre Sicherheit, ihre Existenz. Faschistische Politik steht hier kurz vor der Regierungsbeteiligung und das Einzige, was uns schützt ist unser gemeinsamer Widerstand!

Am 01.08. will die Generation Deutschland (ehemals JA), die Parteijugend der AfD, mit menschenverachtender Politik durch Schwerin marschieren. Die GD lädt alle Mitglieder bundesweit ein, an diesem Tag für die AfD Flagge zu zeigen. Die GD ist ein zentraler, völkischer und mit rechten Straßentrupps vernetzter Teil der AfD.

Wir lassen die Antifaschist*innen in Schwerin nicht allein und werden das gemeinsam verhindern!

Kiel fährt nach Schwerin – Generation Antifa voran!“

Bericht zum Protest gegen Kevin Dorow in Osterby

„Gegen Nazis Hand in Hand – es gibt kein Ruhiges Hinterland!“ – das brachten am Samstagnachmittag (18.07.2026) bis zu 200 Menschen mitten im dörflichen Osterby bei einer antifaschistischen Kundgebung gegen die Einweihungsfeier des AfDlers und Vorstandsmitglied
ihrer Jugendorganisation „Generation Deutschland“ Kevin Dorow zum Ausdruck. Seine Versuche in der Dorfgemeinschaft Fuß zu fassen bleiben nicht unbemerkt. So kamen viele der Kundgebungsteilnehmer*innen aus Osterby, dem dörflichen Umfeld und den Hüttener Bergen. Schon vor Beginn der Antifa-Kundgebung waren einige von ihnen dem Aufruf des Aktionsbündnis Hüttener Berge gefolgt und haben an einem Spaziergang gegen Dorows Präsenz in der Gemeinde durchs Dorf teilgenommen.

Die antifaschistische Kundgebung startete mit kleiner Verzögerung, entwickelte dann jedoch einen entschlossenen, vielfältigen und einladenden Ausdruck.

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Zu den Auseinandersetzungen rund um Polizeikritik beim CSD Kiel

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Folgender Text dient zur Darstellung unserer Perspektive und Klarstellung einiger Inhalte aus dem Statement vom CSD-Team.

Zunächst einmal sind wir selbst auch Teil der queeren Community, auch wenn dies in einigen Kommentaren auf Social Media immer wieder in Frage gestellt wird. Unsere Gruppe ist in sehr großen Teilen queer. Bei uns sind zwar auch ein paar endo-cis-hetero Personen dabei, diese halten sich bei der Auseinandersetzung um den Polizeistand beim CSD aber bewusst im Hintergrund.

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Uns ist es wichtig, dass sich alle Besucher*innen auf dem CSD wohlfühlen können. Unter Anderem deswegen protestieren wir gegen die Polizeipräsenz beim CSD. Unser Protest richtet sich gegen die Polizei, nicht gegen die CSD-Orga. In unserer Wahrnehmung ging von uns keine körperliche Gewalt gegenüber der CSD-Orga oder CSD-Teilnehmenden aus. Aus unserer Perspektive handelte die CSD-Orga insbesondere auch im letzten Jahr nicht deeskalativ. Menschen von der Orga rissen beispielsweise der vorlesenden Person den Redebeitrag aus der Hand und rüttelten an ihr. Wir fragen uns, wie es da zu so unterschiedlichen Wahrnehmungen kommen konnte, und würden darüber mit der CSD-Orga sprechen wollen.

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