Stell dir vor du lebst in einer Straße, die nach einem Nazi benannt ist. Im März 1933 war er in die NSDAP eingetreten. Im folgenden Jahr machten die Nazis ihn zum Bürgermeister. In jenem Amt ließ er Zwangsarbeiter*innen einen „Adolf-Hitler-Sportplatz“ errichten, hielt Vorträge über die „Reinhaltung des deutschen Blutes“, posierte mit Hitlergruß und SA-Uniform und ließ Opfer faschistischer Gewalt die Entfernung von Nazi-Schmierereien bezahlen. Nach dem Krieg wurde er als „entlastet“ eingestuft und es kam zu besagter Benennung der Straße.
Was nach einer Geschichte aus den frühen 50ern klingt ist in Kronshagen so bis heute Realität. Erst 2023 legte ein Gutachten die Verstrickungen von Paul Drews im faschistischen Deutschland zweifelsfrei offen. Zwei Jahre später beschloss die Gemeinde die Straße in Kranichstraße umzubenennen. (Das ‚Kron‘ in Kronshagen bedeutet ‚Kranich‘) Eigentlich sollte dies zum 1. Juni 2026 geschehen. Doch ein Widerspruch von Anwohnenden stoppte die Umbenennung jetzt auf juristischem Wege. Nachdem deutsche Gerichte Drews sein ganzes Leben über unbehelligt ließen, schützt ihn die selbe Justiz jetzt auch nach seinem Tod bis in die Gegenwart. Wann eine endgültige Entscheidung getroffen wird ist offen.
Wir als Antifaschst*innen haben für diese Verzögerung kein Verständnis. Ja, Papier mag geduldig sein – wir aber sind es nicht! Also nehmen wir die Umbenennung jetzt selbst in die Hand! In der Nacht von Sonntag auf Montag haben wir mehrere der betreffenden Straßenschilder erneuert. Für die Freiheit für das Leben: Nazi-Straßen überkleben! Drews geht gar nicht! Deshalb: Kranich!
„Am Freitag soll im Kieler Rathaus eine weitere unnütze Veranstaltung der AfD stattfinden – und wir kommen selbstverständlich trotzdem. Denn auch die öffentliche Debatte um die repressiven Ausnahmezustände, die die Polizei regelmäßig in der Waisenhofstraße herbeiführt, um dergleichen möglich zu machen, haben die städtischen Verantwortlichen offenbar nicht davon abbringen können, der vielfach erhobenen Forderung nach Verweigerung des Rathauses für Faschist:innen endlich nachzukommen. Den nachdrücklichen Hinweis, dass die AfD in Kiel auch weiterhin nicht erwünscht ist, müssen wir also wie gewohnt selber erbringen.
Etwa 15 Antifaschist:innen stellten sich am Montagnachmittag (01.06.2026) spontan einem Propagandastand der AfD am Asmus-Bremer-Platz in der Kieler Innenstadt entgegen. Unter Polizeischutz konnte der Stand von den Rechten zwischen 14 und 16 Uhr dort abgehalten werden. Dank der Antifas konnte diese Mobilisierungsaktion für eine „Fraktion im Dialog“-Veranstaltung an diesem Freitag im Kieler Rathaus abermals nicht ohne Gegenprotest vonstatten gehen.
Der Stand blieb nicht lang allein. Schon der Aufbau wurde umgehend von jungen Gegendemonstrant:innen mit selbstgebastelten Anti-AfD-Schildern begleitet. Der spätere Gegenprotest postierte sich dann unmittelbar gegenüber der AfD und sorgte für lebendigen Widerspruch. Drei AfDler betreuten den Stand, der vereinzelt Passant:innen aus der Holstenstraße anzuködern wusste. AfD-Lokaloberhaupt Pinto de Kraus hatte diesmal selbst wohl keine Lust auf Bürger:innenkontakt und erschien im weißen Sommerdress lediglich zum Auf- und Abbau.
Bald ist schon wieder KiWo. Auch wenn wir über den Winter ihre Existenz fast vergessen hätten, kommt sie doch immer wieder. Wer hier wohnt, kann ihr kaum entfliehen. Der öffentliche Raum wird überrannt und wer sich nicht reinstürzen will, muss halt fernbleiben. Vor allem marginalisierte Menschen, die zurecht Angst vor Sexismus, Rassismus oder Queerfeindlichkeit haben, können sich noch weniger frei bewegen, wenn in der halben Stadt betrunkene Macker lauern.
Auch dieses Jahr wollen wir das nicht unkommentiert lassen und zeigen, dass wir keinen Bock haben auf Raumeinnahme durch Macker, Belästigung und Gewalt. Die Stadt gehört allen, und gerade während der KiWo soll sie auch uns gehören! 🔥💜
Kommt zur Take Back the Night Demo am zweiten KiWo-Samstag, den 27.6., um 20 Uhr auf den Exer. Von dort drehen wir eine kraftvolle Runde durch die Altstadt und zeigen, dass wir da sind, dass wir laut sind, und dass die Straßen uns gehören! 😈✊🏻🗣️ Die Demo ist für Frauen, Lesben, Inter*, Nichtbinäre, Trans* und Agender Personen. Bitte nehmt darauf Rücksicht. Gleichzeitig weisen wir darauf hin, dass niemandem das Geschlecht angesehen werden kann und nicht von außen beurteilt werden sollte, ob jemand dort sein darf oder nicht. Wir werden uns unabhängig vom Geschlecht herausnehmen, Personen aufgrund mackerhaften oder anderweitig problematischen Verhaltens auszuschließen.
Im März 2026 hat das Kabinett der Landesregierung Schleswig-Holsteins einen Gesetzentwurf beschlossen, der umgangssprachlich als „neues Polizeigesetz“ bezeichnet wird. Dieser Entwurf sieht eine massive Ausweitung der Befugnisse der Landespolizei vor. Konkret geht es um automatisierte Datenanalyse, erweiterte Videoüberwachung, biometrische Fernidentifizierung, Präventivgewahrsam und elektronische Aufenthaltsüberwachung.
Dieses Gesetz verlagert weiter polizeiliche Eingriffe ins Vorfeld konkreter Gefahren. Statt konkretes Handeln wird ein potenziell abweichendes Verhalten zum Gegenstand der staatlichen Sicherheitslogik. Die geplanten Maßnahmen greifen tief in grundlegende Bürger*innen- und Freiheitsrechte ein und bauen staatliche Kontrolle auf Kosten individueller Freiheiten weiter aus. Klar ist: Die Aufrüstung des staatlichen Repressionsapparats, vor allem im digitalen Raum, wird uns alle treffen. Wir lehnen dieses Vorhaben daher entschieden ab und stellen uns gegen einen zunehmend autoritären Überwachungsstaat. Dieses Gesetz stellt keinen Schritt zu mehr Sicherheit dar, sondern einen weiteren Schritt hin zu einem Staat, der seine Antwort auf gesellschaftliche Unsicherheit zunehmend in Überwachung, Kontrolle und Repression sucht.
Die Alte Welt liegt im Sterben. Aber sie stirbt nicht geräuschlos, sondern im Spektakel: Eine Menschheit hält ihren Blick wie gebannt auf einen Bildschirm gefesselt, und darauf wird Sekunde um Sekunde dem Leben ein Ende gemacht. Eigentlich unvergessliche Bilder werden sofort von neuen Schrecken verdrängt. Rauch zieht auf an allen Horizonten; es ist die Zeit der Monster. Es ist die Zeit eines blutleeren, fast gelangweilt daherkommenden Neofaschismus – eine Zeit des Ausverkaufs. Und es ist eine Zeit der namenlosen Toten.
Der Beginn der Atomkastrophe von Tschernobyl jährt sich heute zum 40. Mal. Ein Reaktorunfall mit Strahlenschäden quer durch Europa mit krank machenden Auswirkungen Jahrzehnte danach und akuter Bedrohung bis heute. Wir nehmen dieses traurige Datum zum Anlass, um zu schauen, was das hier mit unserer Besetzung zu tun hat.
Die Geschichte der Atomkraft ist eine militärische. Die Atombombe wurde entwickelt um einen Krieg zu gewinnen und tötete weit über eine halbe Million Menschen, ob bei den Abwürfen in Hiroshima und Nagasaki oder bei den Tests im Bikini-Atoll. Atomkraftwerke wurden gebaut, um Plutonium für Atomwaffen zu erbrüten. Ohne staatliche Subventionierung und Ausnahme von der Versicherungspflicht wäre kein kommerzielles Atomkraftwerk ans Netz gegangen. Noch heute wird die Mär von der friedlichen Atomkraft erzählt, während wir beispielsweise im Iran sehen, dass es immer nur um Waffen geht. Auch in Deutschland steht eine Urananreicherungsanlage in Gronau, nahe der niederländischen Grenze. Die Bundesregierung möchte sie auch nach dem teilweisen Atomausstieg weiter betreiben „weil sie das Ansehen Deutschlands stärkt“. Mit Urananreicherungsanlagen lässt sich aber nicht nur Uran für Atomkraftwerke anreichern, sondern sie sind relativ leicht umbaubar, sodass auch waffenfähiges Uran angereichert werden kann. In Gronau gibt es entsprechende Experimente. Hier in Kiel wurden und werden U-Boote gebaut, in die Atomwaffen eingebaut werden.
So ist die Geschichte der Atomkraft immer auch eine militärische, von ersten Augenblick an bis heute. Ohne militärische Interessen hätte es die Katastrophe in Tschernobyl nicht gegeben, nicht die in Fukushima, nicht die Verseuchung in Majak.
Die Schäden dieser Geschichte betreffen uns alle: Sie betreffen uns, weil Atomwaffen uns bedrohen, aber auch weil niemand weiß wohin mit all dem Atommüll, der noch Millionen Jahre krank machen wird. Noch mehr betreffen sie aber Menschen in (ehemaligen) Kriegsgebieten, wie im Irak, weil dort panzerbrechende Munition aus Uran zahlreiche Gebiete verseucht hat. Sie betreffen die Menschen in der Umgebung von Tschernobyl, die ein um ein vielfaches höheres Risiko haben an Krebs zu erkranken oder die Menschen, die in Uranabbaugebieten leben und dort radioaktiven Staub einatmen, oft ohne dass sie in irgendeiner Weise profitieren vom Profit, der gemacht wird. All das war nicht unsere Entscheidung.
Deshalb stehen wir heute hier um ein weiter so zu verhindern, an die Katastrophe von Tschernobyl und all die Toten dort zu erinnern. Denn der Kampf gegen Atomkraft ist untrennbar mit dem gegen Militarisierung verbunden.
Am Anfang sagte ich, der Beginn der Katastrophe jährt sich. Sie dauert schließlich seitdem an, wie nicht zuletzt die russischen Angriffe auf den Sarkophag der den Tschernobyl-Reaktor einschließt und die Bilder der brennenden Schutzhülle erst kürzlich verdeutlicht haben. Atomkatastrophen geschehen nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt, sie beginnen und dauern nach menschlichem Ermessen ewig an. Atomstromproduktion ist nicht nachhaltig – sie ist immer ein erhebliches Risiko. Weil sie unmittelbar mit Aufrüstung und der Möglichkeit eines Atomkrieges verbunden ist, aber eben auch, weil in einer Welt der eskalierenden bewaffneten Konflikte und Kriege jeder Atommülltransport und jedes Atommüllager eine attraktive Zielscheibe für die Zerstörungswut kriegführender Akteur*innen darstellt.
Wir rufen dazu auf, gegen die anstehenden Castor-Transporte nach Brokdorf und Ahaus aktiv zu werden und weder Atomanlagen noch Atomwaffen widerstandslos hinzunehmen. Erinnern heißt kämpfen!