Jahresrückblick 2025

Wir blicken zurück auf ein aktionsreiches Jahr, in dem der Rechtsruck immer spürbarer wurde und wir uns zunehmend auch mit der gesellschaftlichen Militarisierung auseinander setzen mussten. Trotz alledem kämpfen wir weiter für den Erhalt der Lebensgrundlagen von uns allen.

Klima

Wie schon seit vielen Jahren beteiligten wir uns auch in diesem Jahr wieder an den stattfindenden Klimastreiks.

Darüber hinaus wurden wir vor allem zu den Themenbreichen Verkehr, Kreuzfahrt und Aufrüstung aktiv, um für Klimagerechtigkeit zu streiten.

Verkehr

Noch immer sind wir gegen jeden Autobahn- und Straßenausbau, denn wir möchten eine Mobilitätswende für alle, mit kostenlosem Nahverkehr durch Stadtbahn, Busse, Züge für alle und viel Platz für Fußgänger*innen und Radfahrende. Deshalb haben wir in diesem Jahr  mit einer Abseilaktion von einer Brücke und dem Besetzen von Baufahrzeugen die Baustelle der A21 blockiert, am 10. März und am Sonntag drauf zusammen mit dem Grüngürtelbündnis eine Fahrraddemonstration gegen die A21 durchgeführt. 

Zu den Mobilitätswendetagen haben wir auf der Kaistraße in der Nähe des Bahnhofs ein schönes Sonntag-Morgen-Picknick gemacht, um darzustellen wie schön und ruhig mit Wasserblick es dort ohne Autos sein könnte. Für ein besseres Klima und für mehr Lebensqualität. 

Kreuzfahrt

Zum Thema Kreuzfahrt gab es eine kleine Aktion am Internationalen Aktionstag am 1. Juni in der Kieler Förde. Außerdem beteiligten wir uns an der Vernetzung des europäischen Netzwerks gegen Kreuzfahrten, ECAN. und mit den Smash Cruiseshit Aktionstagen veranstalteten wir zusammen mit anderen Gruppen eine Konferenz gegen die Kreuzfahrtindustrie in Hamburg, passend zu den dortigen Cruise Days. Im Rahmen dessen gab es auch mehrere kleinere Aktionen. 

Militarisierung

Auch bei der zunehmenden gesellschaftlichen Militarisierung und Aufrüstung können wir nicht tatenlos zuschauen, zu sehr verstört uns die zunehmende Kriegsrhetorik. So riefen wir anlässlich der Kieler Woche mit zur Demonstration „Kein Werben fürs Sterben – auch nicht auf der Kiwo“ auf und beteiligten uns daran. Im Anschluss an die Demo wurde auch gleich der Bundeswehrstand auf der KiWo blockiert. Die Blockade wurde durch die Einsatzhunderschaft im Anschluss mehrere Stunden gekesselt.

Im Herbst dann starteten wir in die Diskussion um das ehemalige MFG5-Gelände. Vor etwa 10 Jahren war dieses von der Bundeswehr an die Stadt Kiel gegeben worden.

Dort sollte Wohnraum entstehen, der in Kiel mehr als dringend notwendig ist. Aber Militär scheint für die Herrschenden wichtiger zu sein und die Bundeswehr will das Gelände zurück haben, wobei die Stadt vermutlich mit zieht. Aber nicht mit uns. Zum Tag des Friedens am 21. September fragten wir auf dem Gelände im Rahmen einer kreativen Aktion Fußgänger*innen und Fahrradfahrende: „Haben Sie einen Passierschein?“.

Und im Oktober schließlich startete die Besetzung „Voßbrook für alle – MFG-5 bleibt zivil.“ Zwischen Bäumen an der Förde wurde ein Baumhaus mit Meerblick errichtet und nach und nach ausgebaut. Fast jeden Sonntag gibt es dort nun verschiedene Workshops, Kaffee und Kuchen, Kletterskillshares, gemeinsame Bautage und fast täglich Gespräche mit vorbei gehenden Passant*innen. Mittlerweile gibt es auch eine Hütte am Boden sowie einen Unterstand. Auch den Jahresausklang verbrachten viele von uns dort. Die Besetzung hat nun auch eine eigene Homepage, schaut dort für weitere Infos.

Polizeistaat

Nicht nur nach außen, auch nach Innen wird aufgerüstet. Deshalb beschäftigen wir uns auch immer wieder mit den Sicherheitsorganen, die nicht nur unsere Freiheiten bedrohen, sondern die zahlreicher Menschen. Auch wir waren wütend über die Ermordung von Lorenz durch die Cops (Link führt zu „Initiative Gerechtigkeit für Lorenz auf Instagram). Um darzustellen wie strukturell die Probleme sind, haben wir passend zum jährlichen Verfassungsschutzbericht unseren eigenen Bericht verfasst, indem wir darstellten, wie verfassungsfeindlich Polizei, Verfassungsschutz und Justiz in Schleswig-Holstein so sind. Im Dezember übte dann die Polizei Fußball-Einsätze und sperrte dazu weite Bereiche ab. Nichts was wir feiern, genauso wenig wie die Spendenaktion der Kieler Nachrichten für die armen verletzten Polizist*innen. Eine solcher Aufruf zu spenden verschleiert die Gewaltverhältnisse, sind es doch oft gerade die bewaffneten Staatshüter, welche Gewalt einsetzen und Menschen verletzen und ermorden.

Nicht umsonst wurden 2024 und 2025 so viele Menschen von der Polizei getötet wie seit langem nicht mehr.  Die schwarz-grüne Landesregierung in Schleswig-Holstein brachte derweil eine „Reform“ für das Polizeigesetz auf den Weg, auch das wird uns im künftigen Jahr beschäftigen, drohen doch lange Gewahrsamszeiten (bis zu 2 Monaten) und eine totalitäre Videoüberwachung inklusive automatisierter Identifizierung von Personen in Echtzeit und KI-gesteuerte Verhaltensscans.

Antifa

AfD

m November 2024 zerbrach die Ampelkoalition und machte damit den Weg frei für vorgezogene Neuwahlen.

Zusammen mit anderen antifaschistischen Gruppen aus Schleswig-Holstein beteiligten wir uns an der Kampagne gegen den Wahlkampf der AfD. Auf Landesebene gab es mehrere große Mobilisierungen. Zum Auftakt des schleswig-holsteinischen AfD Wahlkampfes beteiligten sich etwas 400 Menschen an den Gegenprotesten in Nordhastedt.

Bei einer Demonstration der AfD in Neumünster Mitte Januar beteiligten sich sogar ca 2000 Menschen an den Gegenprotesten. Auf der Demoroute der AfD kam es mehrfach zu Sitzblockaden und Störungen.

Aber auch in Kiel selbst blieb die AfD nicht ohne Gegenprotest. Die wöchentlichen Wahlkampfstände wurden von Gegenprotest begleitet. Bei mehreren Protesten bekletterten Antifas Bäume und Gebäude um Transpis und Fahnen anzuhängen und Redebeiträge zu halten. Aber nicht nur Wahlkampfstände nutzte die AfD in Kiel für ihre Propaganda. Auch eine Veranstaltung in der Werkstadt „Exit Cars“ in Schwentinental und eine in der Landesgeschäftsstelle im Walkerdamm in Kiel standen auf dem Programm. Durch die bundesweiten Großdemonstrationen konnten die Proteste gegen AfD Veranstaltungen in Kiel profitieren. An dem Protest am Walkerdamm nahmen bis zu 600 Menschen teil. In Schwentinental ca 150. Bei einer Kundgebung auf dem Rathausplatz Anfang Februar folgten bis zu 15000 Menschen einem Aufruf eines breiten Bündnisses um gegen die AfD und die rassistische Politik der CDU zu demonstrieren.  

Im Herbst führte uns noch ein weiterer Wahlkampf, diesmal zur Oberbürgermeister*innenwahl in Kiel an den Wochenenden früh morgens raus auf die Straße. Am Ende erreichte der AfD Kanditat Hubert Pinto de Kraus nur 5,8% der Stimmen. Auch ein Erfolg der kontinuierlichen antifaschistischen Arbeit von verschiedenen Gruppen in Kiel. 

Auch außerhalb des Wahlkampfes organisierte die AfD in Kiel immer wieder Veranstaltungen. Dabei weitere Bürgerdialoge im Walkerdamm und erstmalig auch im Rauhaus. Auch gegen den Landesparteitag im Juni wurde von antifaschistischen Gruppen aus Schleswig-Holstein sowie von dem lokalen Bündnis mobilisiert und mehrere Kundgebungen und Demos angemeldet.

Bis zu 800 Menschen beteiligten sich an den Protesten und nahmen sich auch unangemeldet sich die Straße. 

Begleitet wurden die Proteste gegen die AfD und andere rechtsextreme Umtriebe immer wieder von massiver Polizeigewalt. Eine Entwicklung die sich bereits mehrere Monate angekündigt hatte und vor allem mit dem Einsatz der 2. Einsatzhundertschaft zunahm. Mit Pfefferstrayeinsätzen, brutale Festnahmen und absurde Vorwürfe muss mittlerweile leider bei jedem Protest gerechnet werden. 

Martin Sellner, Nazikonzerte, Gemeinsam für Deutschland und co.

Auch außerhalb der AfD mussten wir uns das Jahr über immer wieder mit Nazis und rechten Mobilisierungen beschäftigen. Im März lud Martin Sellner zu einer Lesung ein. Der Ort wie so häufig geheim gehalten. Trotzdem konnte der Treffpunkt in Kiel herrausgefunden werden und wurde von einer spontanen antifaschistischen Demonstration besucht. Am eigentlichen Veranstaltungsort im „Alten Bahnhof „in Nordhastedt demonstrierten spontan bis zu 40 Antifas. Die Gaststätte „zum alte Bahnhof“  ist im Jahr 2025 nicht nur für die AfD zu einem wichtigen Ort geworden. Neben der Lesung von Martin Sellner fand auch ein Konzert der Neonazi Rap Gruppe „Neuer Deutscher Standard“ in dem Lokal statt. Auch dagegen demonstrierten ca 130 Antifas und zogen in einer kurzen Demonstration durch den Ort. 

„Gemeinsam für Deutschland“ 

Am 26.04. hatten die rechten Schwurbler*innen von „Gemeinsam für Deutschland“ geplant, an mehreren Orten in SH gleichzeitig zu demonstrieren. Bundesweit gab es ähnliche Versammlungen. Wir schlossen uns also kurzerhand dem breiten Gegenprotest in Itzehoe an, aber fuhren auch nach Flensburg, um dort dem traurigen Schauspiel entgegenzutreten. Neben lautstarken Demos in beiden Städten, gelang es in Flensburg — erst durch Sitzblockaden und anschließend durch Unterstützung der dazukommenden Demoteilnehmenden — den Marsch der Verschwörungstheoretiker*innen nach einem kurzen Teil ihrer Strecke zu beenden. 

Am 31.05. versammelte sich das gewohnte Klientel von Gemeinsam für Deutschland dann in Heide — auch hier begleitet von einer breiten Gegendemo von „Dithmarschen ist bunt“, an der wir uns beteiligten. Trotz brutalem Schlagstockeinsatz durch die Polizei, gelang es aus dieser Demo heraus, sich den Rechten in den Weg zu setzen. So waren sie gezwungen, auf eine andere Route auszuweichen, welche nicht, wie ursprünglich geplant, direkt durch die Innenstaft verlief.

Repression und Solidarität

Freiheit für alle Gefangenen

Als im Januar zwei Antifaschist*innen, die im Budapest-Komplex angeklagt werden, sich in Kiel stellten, wurde prompt eine Spontankundgebung vor der Polizeiwache organisiert, die auch drinnen gehört wurde und so eine kleine Stärkung auf dem Weg in den Knast sein konnte. Die Botschaft war klar: Antifaschismus bleibt notwendig.

Am 18. März, dem Tag der politischen Gefangenen organisierten wir mit anderen zusammen eine kraftvolle Demonstration, bei der es Redebeiträge zu verschiedenen linken politischen Gefangenen gab, von denen aus der Antifa bis zu Daniela von der RAF. Eine Person von uns setzte sich im Redebeitrag damit auseinander, was es bedeuten kann, wenn ein*e Freundi auf Grund von Klimagerechtigkeitsaktionen in den Knast geht. 

Anschließend gab es noch eine gut besuchte Veranstaltung von TKKG und Roter Hilfe zum Thema „Knast überleben – Solidarität organisieren“ mit Thomas Meyer-Falk, der von seiner Langzeitgefangenschaft und dem Wieder ankommen erzählte. 

Solidarität mit Maja

Besonders intensiv beschäftigten wir uns mit der Solidarität mit der Antifaschist*in Maja.  Maja wurde mitten in der Nacht aus Deutschland nach Ungarn ausgeliefert wurde, obwohl das Bundesverfassungsgericht nur Stunden später entschied, dass die Auslieferung rechtswidrig sei, da menschenrechtliche Standards in Ungarn nicht gewährleistet sind.

Das hilft Maja in Ungarn wenig. Wegen der fortdauernden Isolationshaft trat Maja schließlich in den Hungerstreik. Einen Tag nachdem Maja ihn aufgrund von akuter Gesundheitsgefährdung pausierte, besetzten mehrere Aktivist*innen am 14.Juli ein Gerüst am Landtag mit einem großen „Free Maja“-Transparent und verteilten Flugblätter zur Situation von Maja. Die Aktion schlug ein und wurde breit in der Presse diskutiert – der Landtag fühlte sich direkt genötigt und diskutierte über Sicherheitsvorkehrungen und Demokrativerständnis.

Wer findet, ein Transparent aufzuhängen sei Gewalt, aber eine rechtswidrige Auslieferung nicht, offenbart viel vom eigenen Rechtsstaatsverständnis – wie ein Vertreter der FDP. 

Auch beim CSD thematisierten wir in einem „Free Maja“-Block die Situation der non-binären Person Maja im rechten Ungarn.

Auch wenn Außenminister Wadephul zunächst versprach, nach Ungarn zu reisen, passierte weiterhin nichts, kein öffentlicher Druck von der Bundesregierung. Also wurde im August nachgelegt und das Büro des Außenministers in Rendsburg blockiert. Im Februar könnte es zu einem Urteil in Ungarn gegen Maja kommen, es drohen Jahrzehnte Haft.

Repression gegen unsere Freund*innen und uns

Angesichts der globalen Verhältnisse haben wir noch Glück mit den Repressionen gegen uns. Die Verfahren wegen der Baustellenbesetzung der A21 im März wurden gleich wieder eingestellt und auch ein Verfahren wegen der Besetzung der Leinemarsch gegen den Autobahnausbau in Hannover endete mit einer Einstellung

Wir begleiteten im August eine Person in drei Tage Ordnungshaft in die JVA Kiel – was unerwartet kompliziert wurde – und nutzten die Gelegenheit, unsere generelle Kritik an Knästen auszudrücken.

Soli-Aktionen

Repressionskosten entstehen und sollen solidarisch getragen werden. Am 02.05. haben wir zusammen mit dem Schiebt Anders Kollektiv (Link führt zu Instagram) eine Soliparty geschmissen. Darüber hinaus organisierten wir verschiedene Cocktailstände für Aktions- und Repressionskosten. Am 31.12. gab es eine Silvester-Party für linke Strukturen in Kiel, auch da beteiligten wir uns.

LGBTQ+ (Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transgender, Queer und weitere Identitäten)

Auch queere Themen haben 2025 nichts an Bedeutung verloren – so nahmen wir im Laufe des Jahres immer wieder Jahrestage zum Anlass für Aktionen und Sichtbarmachung. Zum trans*Day of Visibility veröffentlichten wir einen Text zu internationalen Lage von trans*Personen. Außerdem machten wir mit einem Bannerdrop und einer Flyeraktion am städtischen Krankenhaus auf die enormen Missstände und fehlende Sensibilität im Bereich trans*Gesundheit aufmerksam.

Zum trans*Day of Remembrance erinnerten wir durch eine Filmveranstaltung mit der feministischen Antifa Kiel gemeinsam an alle durch trans*feindliche Gewalt Gestorbenen.

Auch beim CSD in Kiel versuchten Menschen mit konstruktivem Protest gegen die Polizeiwerbung auf dem Straßenfest, auf die Ursprünge des Christopher-Street-Day aufmerksam zu machen: Einem Riot gegen trans*feindliche und rassistische Polizeigewalt.

 Als Neonazis ankündigten, den CSD Schwerin zu stören, mobilisierten wir zur Unterstützung für eine gemeinsame Anreise aus Kiel. Doch auch in Schleswig-Holstein kam es zu Nazihetze gegen queere Menschen: Als die Neonazipartei ‚die Heimat‘ (ehemals NPD) den CSD Neumünster einschüchtern wollte, beteiligten wir uns mit anderen Gruppen an einer antifaschistischen Gegendemo.

Bei unserer Kundgebung ‚Solidarisch gegen trans*feindlichkeit‘ machten wir in der Innenstadt gleich gegenüber einer Praxis auf das Thema aufmerksam, in der ein offen trans*feindlich agierender Psychotherapeut arbeitet. 

Und auch an der Sichtbarmachung vom sexistischen Normalzustand und am Protest dagegen beteiligten wir uns – etwa im Rahmen der Take back the Night Demo zur Kieler Woche und mit einer gemeinsamen Anreise zur Demo gegen das Konzert von Rammsteinsänger Till Lindemann in Hamburg.

Bildung

Auch dieses Jahr beteiligten wir uns am Kritischen Semesterstart (Krise) mit verschiedenen Veranstaltungen. Wir beleuchteten wie Rechtsextremisten Naturschutz für ihr Weltbild nutzen, beschäftigten uns mit der Potischen Theorie des Anarchismus und einer Kritik des Autoritarismus und sammelten zusammen mit der Soligruppe Lateinamerika Spenden bei einer Infoveranstaltung zu den Protesten gegen die diesjährige Klimakonferenz in Brasilien

Ausblick

Wir sehen schon jetzt: Auch 2026 wird es viel zu tun geben, gegen das Erstarken der Rechten in den Parlamenten und in der Gesellschaft, gegen die zunehmend autoritärer werdenen Staat, gegen die fortschreitende Klimakrise, gegen zunehmenden Rassismus und die zunehmende Feindseligkeit gegenüber queerem Leben. Und so gehen wir aktiv und solidarisch in das 10te Jahr der TurboKlimaKampfGruppe. Schreibt uns gern an, wenn ihr bei uns mitmachen wollt!

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