Feministischer Kampftag 2021 in Kiel

Wir freuen uns über die vielfältigen und dezentralen Aktionen die heute in Kiel stattgefunden haben. Vor der Ausländer:innen-Behörde am Sophienblatt in Kiel haben wir heute diesen Redebeitrag gehalten:

Hi!

Warum ein Redebeitrag von einer Gruppe, die für Klimagerechtigkeit kämpft, am feministischen Kampftag? Niemand lebt sein Leben an einziges Thema gebunden. Geschlecht, Klimakrise, Migration sind Themen die miteinander verknüpft sind. Während wir zu einigen dieser Themen sicherlich Expertise haben, können wir von anderern Themen nicht als Betroffene sprechen, sondern nur eine beobachtende Sichtweise einbringen. Wir, also die Menschen, die in der Turbo Klima Kampfgruppe Kiel organisiert sind, sind überwiegend weiß und mit deutschem Pass. Einige von uns sind queer, andere nicht.

Wir haben uns in letzter Zeit viel mit der Klimabewegung und den innerhalb der Bewegung reproduzierten Ausschlüssen beschäftigt. Auch uns ist aufgefallen, dass wir häufig eine eurozentristische Perspektive annehmen, die sich des Narrativs bedient, dass der Klimawandel ein Problem der Zukunft wäre. Auf diese Gedanken kamen wir aber nicht selbst, sondern nur durch die solidarische Kritik von BIPoC innerhalb und außerhalb der Bewegung. Wir müssen die Welt aber nicht nur für kommende Generationen bewahren, sondern auch realisieren, dass Klimawandel und dessen Folgen bereits jetzt konkrete Auswirkungen auf die Lebensbedingungen von Menschen haben. Wie stark Menschen von den Folgen betroffen sind hängt nicht nur von ihrem Wohnort, sondern auch von Faktoren wie Geschlecht, kulturellem Hintergrund und Einkommen ab.

Dass eine trans* Frau Angst davor haben muss, nach einem Orkan in einer Notunterkunft zu übernachten, hat mit der Klimakrise und dem Patriarchat zu tun. Auch eine indigene Mutter, deren Muttermilch vergiftet ist, weil Umweltverschmutzung Land und Wasser belastet, muss mit beidem fertig werden.

Hi!

You may ask: why should we (a group of environmental activists) contribute to this feminist action day on the 8th of March? I think nobody lives their life around just one topic. Gender, the climate crisis, migration, everything is connected. While we certainly have some expertise on a few of these topics, we can only speak from an outsider’s perspective about others. Our group mainly consists of White people, and most of us have a German passport. Some of us are queer, others aren’t.

Recently, we talked a lot about the environmental movement and the exclusion we create. Thanks to criticism from BIPoC (that we took seriously), we noticed that we still use the narrative of climate change as a problem of the future. But we don’t just have to protect the earth for future generations, we have to realize that the climate crisis has an impact on people’s living conditions today. The degree to which people are affected isn’t just related to their place of residence, but also to their gender, their race or their income.

If a trans* woman is afraid of sleeping in a shelter after a hurricane destroyed her home, there is a connection to the climate crisis and to patriarchy. If an indigenous mother has their breast milk poisoned, by drinking polluted water from polluted land, they have to deal with both.

Die Klimabewegung muss feministisch sein, weil die Klimakrise auch eine Geschlechterkrise ist.

Bestehende Ungerechtigkeiten werden durch die Klimakrise verschärft. Das trifft FLINTA Personen, die oft den schlechtesten Zugang zu Ressourcen haben, am härtesten. 80% der Menschen, die ihr Zuhause aufgrund des Klimawandels verlassen mussten, sind weiblich gelesen.

The climate movement has to be a feminist movement, because climate crisis is also a gender crisis.

Existing injustices are aggravated by the climate crisis. This affects FLINTA because they often have the worst access to resources. 80% of the people who had to leave their homes due to climate change are documented as female.

Die Klimabewegung muss feministisch sein, weil Mackertum mit einem erhöhten CO2 Ausstoß einhergeht.

In reichen Ländern verbraucht der männlich gelesene Teil der Gesellschaft ein Viertel mehr Strom. Sie fahren mehr Auto und essen mehr Fleisch. Weil sie besser bezahlt werden, verbrauchen sie mehr Ressourcen.

Auf den meisten Machtpositionen in Wirtschaft und Politik sitzen immer noch alte weiße cis Männer. Klimagerechtigkeit spielt in dieser Welt keine Rolle. Dienstflüge sind der Alltag. Das Verhältnis zur Natur ist ausbeuterisch und patriarchal. Und diese Männer lassen wir wichtige Entscheidungen bezüglich Klimaschutz ohne uns treffen? Wie lange wollen wir vergeblich auf ihre Entscheidungen warten?

The climate movement has to be a feminist movement, because men produce higher CO2 emmissions than women

In industrialized countries, the male part of society consumes up to 25% more electricity. They drive cars more frequently and eat more meat. Because they are paid better, they consume more resources.

In most of the positions of power in politics and economy we find middle-aged WWhy are we letting these cis-men make decisions on climate justice without us? How much time are we going to waste waiting for their decisions?
hite cis-males. Climate justice is of no importance in their world. Business travel by plane is common, the relationship to nature is exploitative and patriarchal.

Die Klimabewegung muss femistisch sein, weil wir nicht von der Putzfee zuhause zur Putzfee der Erde mutieren werden.

Wenn wir den medialen Bildern glauben, sind Frauen dann attraktiv, wenn sie jung und fit sind, mit großen Augen vegane Cupcakes backen, sich lächelnd in mikroplastikfreier Naturkosmetik baden und sich mit Zero-Waste-Vorsätzen das Leben schwer machen.

Aber wir haben genug von Frauenbildern, die uns einengen. Wir wollen Politik machen! Und für das Klima werden wir nicht wieder den Dreck von Anderen aufräumen!

The climate movement has to be a feminist movement, because we are not going to trade the cleaning chores at home for global cleaning chores.

If we believe the media, women are attractive if they are young and able-bodied, wide-eyed and baking vegan cupcakes, smiling while bathing in microplastic-free natural cosmetics, or complicating their lives with zero-waste goals. 

But we are sick of restrictive gender roles. We want to take over politics! And as for the climate, we won’t continue cleaning up for others.

Die Klimabewegung muss feministisch sein, um das Engagement von FLINTA sichtbar zu machen.

Denn FLINTA Personen kämpfen an vorderster Front für das Klima. 70% der Teilnehmer*innen am ersten weltweiten Klimastreik 2019 waren FLINTA.

Viele prominente Gesichter der Klimabewegung sind FLINTA: Adenike Oladosu, die mit Fridays-For-Future für das Klima in der Lake-Chad-Region kämpft und über Ökofeminismus schreibt; Vanessa Nakate, Klimaaktivistin aus Uganda, die weltweit auf Konferenzen sprach; Winter, die Aktivistin aus dem Hambacher Forst; Berta Cáceres, die Umweltaktvistin aus Honduras, die 2016 ermordet wurde; Greta Thunberg, die mit den Schulstreiks begann; … so many more to name!

Sie werden häufig von ihren Gegnern öffentlich diskreditiert, weil sie FLINTA sind. Sie werden im Internet eine Projektionsfläche für den Hass und Sexismus Alter Weißer Männer. Manche von ihnen werden  aus der medialen Berichterstattung gecanceled weil sie nicht weiß sind. Das sexistische Unwort „Klimahysterie“ wertet FLINTA Personen als irrational und übertrieben emotional ab. Dennoch lassen wir uns nicht einschüchtern.

Wir kämpfen für eine Klimapolitik, die FLINTA Personen nicht im Stich lässt.

Wir brauchen nicht nur mehr öffentlichen Nahverkehr, um unsere Emissionen zu senken. Wir müssen auch einen öffentlichen Raum schaffen, in dem Menschen keine Angst mehr vor sexistischen oder rassistischen Übergriffen haben müssen, wenn sie an der Haltestelle warten. Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit.

The climate movement has to be a feminist movement, to make the commitment of FLINTA visible

FLINTA fight at the front line for climate justice. 70% of the participants of the first global climate strike in 2019 were FLINTA.

Many of the well-known activists of the climate justice movement are FLINTA: Adenike Oladosu, who fights with Fridays-For-Future for the climate in the Lake-Chad region and writes about eco-feminism; Vanessa Nakate, a climate activist from Uganda who spoke in international conferences; Winter, an activist from the Hambacher Forst occupation in Germany; Berta Cáceres, the environmental activist from Honduras, murdered in 2016; Greta Thunberg, who started the school strikes; … so many more to name!

These people are publicly discredited and become a „projection screen“ for the hate and sexism of old White
males on the internet. Some of them are canceled from the media because they aren’t white. The sexist expression of climate hysteria depricates FLINTA as irrational or overly emotional. But we will not let them intimidate us.

We fight for climate politics that do not let down FLINTA.

We don’t just need
effective and affordable public transport to reduce emmissions, we also need public spaces to be safe, so that anyone can wait at a bus stop at any time of the day, without fear of being a victim of sexual or racist assault.

Die Klimabewegung muss nicht nur feministisch sein, sondern intersektional denken.

Die Klimakrise verschärft bestehende Ungerechtigkeiten: Nicht nur zwischen den Geschlechtern.

Sie trifft diejenigen am härtesten, die wirtschaftlich ausgebeutet werden. Die auf der Flucht sind. Die aufgrund ihrer Herkunft oder Religion verfolgt werden. Die Menschen, die in enger Verbundenheit mit der Natur leben.

Diskriminierungen bestehen auch gegenseitig unter FLINTA. Vielen von uns hier geht es nicht nur verhältnismäßig gut, sondern wir profitieren tagtäglich, gewollt oder ungewollt, von der Ausbeutung unserer Schwestern. Probleme verschwinden nicht darurch, dass wir sie in andere Regionen der Welt verlagern oder anderen Menschen zuschieben.

Wir müssen uns von dem Gedanken entfernen, ein Problem zur Zeit zu lösen. „Erst retten wir das Klima und dann kümmern wir uns um den Rest“ ist keine Lösung! Wir müssen anfangen die katastrophalen Ungerechtigkeiten, die so tief in unserem System verankert sind, an der Wurzel zu packen. Es wird Zeit, unser Bewusstsein für ein gerechtes Miteinander zu schärfen und zu erkennen, wie unser bestehendes System durch patriarchale Strukturen geformt wird. Denn solange geschlechterspezifische Ungerechtigkeiten unangetastet bleiben, können wir auch die Klimakrise nicht überwinden.

Lasst uns gemeinsam für eine Welt kämpfen, in der unsere Utopien ein Stück weit Wirklichkeit werden!

The climate movement doesn’t only have to be a feminist movement, but it needs to be intersectional

The climate crisis aggravates existing injustices, and not just between different genders. It hits those who are economically exploited, refugees, and those who are politically, racially or religiously persecuted, as well as those who live in deep connection with nature.

Discrimination exists also among FLINTA. Not only are most of us comparatively wealthy, but we also profit intentionally or unintentionally from the exploitation of our sisters. Problems do not disappear because we dislocate them to other regions or to other people.

We have to give up the idea of solving one problem at a time. „First we save the climate and then we take care of the rest“ doesn’t work. We have to eradicate injustices, that are so deeply rooted in our system, by their source. It is time to raise awareness for a respectful coexistence and to understand how our current system is formed by patriarchy. As long as we don’t change gender inequalities we cannot overcome a global climate crisis.

Let’s fight together, step-by-step, for a world where our utopia becomes reality!

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