(PM) Weltwassertag: Aktivist*innen blockieren Covestro-Industriepark in Brunsbüttel

Seit den frühen Morgenstunden blockieren Aktivist*innen von TKKG und Ende Gelände die LKW-Einfahrt des Covestro-Industrieparks in Brunsbüttel. Sie protestieren anlässlich des heutigen Weltwassertages gegen das geplante LNG-Terminal (Flüssigerdgas) in Brunsbüttel und den Ausbau neuer Gasinfrastruktur generell. Der Covestro-Industrieparks und der ChemCoast Park Brunsbüttel unterstützen seit Jahren die Ansiedlung des geplanten Terminals. Ende Gelände plant im Sommer diesen Jahres eine Massenaktion gegen fossile Energieträger in Brunsbüttel.

Die Aktion in Brunsbüttel findet in Koordination mit Aktivist*innen in Mexiko und Texas statt, die zeitgleich bei sich vor Ort für den Erhalt ihres Zugangs zu sauberem Trinkwasser kämpfen. In Texas wird Erdgas vor allem mithilfe von Fracking gefördert. Dabei werden mit einem Chemikalienmix Risse in tiefen Gesteinsschichten erzeugt, um das Gas aus sonst unzugänglichen Quellen gewinnen zu können. Das Grundwasser wird dadurch in erheblichem Maße geschädigt, wie eine Studie aus den USA belegt (1). Auch der hohe Wasserverbrauch und die Entsorgung des kontaminierten Wassers bereiten Probleme. Mit dem Ausbau der Frackingförderung ist der Wasserverbrauch in Texas von 2011 bis 2017 um 1178% auf 227 Mrd. Liter jährlich gestiegen (2). Dabei werden täglich ca. 98 Mill. Liter kontaminiertes Wasser produziert (3). Dieser steigende, hohe Verbrauch kann nicht vom trockenen Texas alleine gestemmt werden. Texas importiert Wasser aus umliegenden Bundesstaaten wie New Mexico und aus dem angrenzenden mexikanischen Bundesstaat Chihuahua, die selbst mit heftiger werdenden Dürren zu kämpfen haben (4,5).

Der Energiekonzern RWE hat Vorverträge über LNG-Kapazitäten mit dem Investorenkonsortium German LNG Terminal GmbH geschlossen, die das LNG-Terminal in Brunsbüttel bauen und betreiben wollen.(6). RWE hat 2018 einen bestehenden Liefervertrag für LNG mit dem australischen Unternehmen Woodside verlängert, die LNG hauptsächlich aus dem Exportterminal in Texas bereitstellen (7). Das LNG in Brunsbüttel wird also zu großen Teilen aus Texas kommen.

Zum Weltwassertag protestieren heute außerdem Aktivist*innen in über 20 Ländern, darunter Argentinien, Kolumbien, Namibia, die demokratische Republik Kongo, die USA und viele EU-Länder, für den Zugang zu sauberem Trinkwasser und gegen die Zerstörung und Kontamination von Trinkwasser durch die Öl- und Gasindustrie, Ressourcenabbau und Argarindustrie. Mit der Aktion in Brunsbüttel wollen die Aktivist*innen den Zusammenhang zwischen der Zerstörung von Trinkwasser und dem geplanten LNG-Terminal aufzeigen. Außerdem prangern sie die hohe Klimaschädlichkeit von Erdgas an, die kürzlich wieder in einer Studie der ScientistsForFuture bestätigt wurde (8). Methanemissionen verschlechtern laut dieser und anderer Studien die Klimabilanz von Erdgas derart, dass von „sauberer als Kohle“ keine Rede sein kann.

„Es kann nicht sein, dass wertvolle Wasserressourcen in Mexiko und andernorts für unseren Gaskonsum geopfert werden. Es werden bereits jetzt massiv Lebensgrundlagen von Menschen im globalen Süden zerstört – Wir müssen dieser Ausbeutung ein Ende setzen und deshalb blockieren wir heute einen der Hauptakteure, die für ihren Profit die Zerstörung weiter anheizen und nach einem LNG-Terminal schreien!“, sagt Aktivistin Lena in Brunsbüttel. Die Chemieindustrie in Brunsbüttel hat einen hohen Erdgasverbrauch, als Rohstoff und Energieträger. Der ChemCoast Park Brunsbüttel erhofft sich nach eigenen Angaben von einem LNG-Terminal die Ansiedlung weiterer „energieintensiver Unternehmen“ (9).

Kontakt: 015782014600

Fortlaufende Infos zur Aktion: @TkkgTurbo (Twitter)

@ShaleMustFall (Twitter, zur globalen Aktion)

(1) Dominic C. DiGiulio et al.: Impact to Underground Sources of Drinking Water and Domestic Wells from Production Well Stimulation and Completion Practices in the Pavillion, Wyoming, Field. in: Environmental Science & Technology50 (8), 2016, 4524-4536.

(2) „As the oil patch demands more water, West Texas fights over a scarce resource“, Houston Chronicle, 01.08.2017

(3) „Toxic substance or water supply? Lawmakers to weigh whether wastewater from oil fields could replenish the state’s aquifers“, The Texas Tribune, 21.01.2021

(4) „Texas wants water, Mexico has none“, Mexico News Daily, 09.09.2014

(5) „New Mexico official says Texas landowners are “stealing” millions of gallons of water and selling it back for fracking“, The Texas Tribune, 08.06.2018

(6) Pressemitteilung von RWE und German LNG Terminal GmbH, 06.09.2018

(7) „RWE sichert sich LNG-Mengen aus den USA“, energate, 20.12.2018

(8) Hanna Brauers et al: Ausbau der Erdgas-Infrastruktur: Brückentechnologie oder Risiko für die Energiewende? in: Diskussionsbeiträge der Scientists for Future 6, 2021, 11 pp.

(9) „Schulterschluss für LNG-Terminal in Brunsbütte“, Pressemitteilung des ChemCoast Park Brunsbüttel, 17.07.2018

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