Gemeinsame Anreise zur schwarz-roten 1. Mai Demonstration in Hamburg

Treffpunkt 15:50 Kiel Hbf am Fahrkartenautomaten

Die Alte Welt liegt im Sterben. Aber sie stirbt nicht geräuschlos, sondern im Spektakel: Eine Menschheit hält ihren Blick wie gebannt auf einen Bildschirm gefesselt, und darauf wird Sekunde um Sekunde dem Leben ein Ende gemacht. Eigentlich unvergessliche Bilder werden sofort von neuen Schrecken verdrängt. Rauch zieht auf an allen Horizonten; es ist die Zeit der Monster. Es ist die Zeit eines blutleeren, fast gelangweilt daherkommenden Neofaschismus – eine Zeit des Ausverkaufs. Und es ist eine Zeit der namenlosen Toten.

„Multiple Krisen“ meinen – in der beschwichtigenden Sprache der Politik – nichts anderes als das Aufbrechen aller Widersprüche, inmitten derer die Herrschenden in ihren Palästen und Firmenzentralen sich so gemütlich eingerichtet hatten. Doch selbst dieses mit unsäglicher Gewalt zusammengehaltene System droht über die Ufer zu treten wie unsere Meere und Flüsse. Menschen auf allen Teilen des Planeten haben weniger zu verlieren und müssen daher mit neuer und raffinierterer Gewalt zurück auf ihren Platz verwiesen werden.

Denn wer heute lohnabhängig ist, lebt in unlösbarem Widerspruch zur Welt der Milliardär*innen. Wer heute von der Arbeit eigener Hände lebt, steht dem Größenwahn der Neoliberalen und Tech-Giganten im Weg. Wer heute auf ein Auskommen angewiesen ist, scheint verdammt, nur ein Produkt, nur eine Zahl, nur das Phantasma eines Online-Profils zu sein. Wer heute jung und trotzdem ohne Hoffnung ist, spürt, dass der Kapitalismus auch das letzte seiner schillernden Versprechen gebrochen hat.

Aus diesem Grund leben wir in einer Zeit der Gefängnisse und der Segregation, wo Arbeitsverweigerung oder Nicht-Anpassung ebenso hart bestraft wird wie eine antifaschistische Gesinnung oder der gerechtfertigte Hass gegen die Reichen. Spätestens seit der Finanzkrise 2008 jedoch ist bewiesen, dass die Herrschenden jene ungehemmte Lust an der Zerstörung, die sie unserem geliebten Anarchismus immer vorgeworfen haben, selbst in die Welt gesetzt haben. Und spätestens seit auch der letzte Klimagipfel auf ganzer Linie versagt hat, ist klar, dass sie ihr Projekt eifrig weiterverfolgen.

Aber durch all ihre Lügen haben sie uns auch wachsamer und gefährlich gemacht. Zwar schwelen unsere und die Kämpfe unterdrückter Menschen bloß an vereinzelten Orten, dafür aber weltweit – und wo wir sie zusammenführen, zünden sie Leuchtfeuer der Hoffnung auf eine andere Welt an. So verhelfen wir mit Freuden einem Zeitalter der Wut zur Geburt, wann immer wir dazu die Möglichkeit sehen.
Als Anarchist*innen sind wir voll Trauer über eine Welt, die uns verloren geht. Aber wir wissen auch, dass kein Präsident, kein soziales Netzwerk, kein Militär der Welt uns unsere Überzeugung nehmen kann: Eine Vision freier Menschen, die sich frei assoziieren und so anderen Menschen zur Freiheit verhelfen. Anstatt uns der Verzweiflung oder dem Spektakel zu ergeben, bekennen wir uns also lautstark zu unserer unauflösbaren Feindschaft: gegen alle Diener*innen, Nutznießerinnen und Handlangerinnen der Dystopie; zum sozialen Krieg und gegen alle Armeen; zur Menschlichkeit einer revolutionären Gegengewalt; zu den Namen und Kämpfen der Vergessenen, zu den widerständigen FLINTA* und Ausgegrenzten; zu allen, die fliehen mussten und nun mit ihrem Rücken zur Wand stehen.


Gegen das Aufgeben! Gegen das Verzweifeln! Für die soziale Utopie! Heute, mehr denn je! Auf die Straße am Ersten Mai!

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